Haftbefehl nach Familiendrama

Warum eine 31-jährige Mutter in Reichenau ihren vierjährigen Sohn umgebracht hat, gibt den Ermittlern weiter Rätsel auf.

Nach der tödlichen Familientragödie in Reichenau im Mühlkreis, OÖ, herrscht über das Motiv weiter Rätselraten. Die schwer verletzte Tatverdächtige konnte am Mittwoch genauso wenig einvernommen werden, wie ihre Eltern, die nach dem gewaltsamen Tod des Enkelkindes einen Nervenzusammenbruch erlitten hatten.

Wie berichtet, soll die 31-jährige Lehrerin Judith M. am Dienstag ihren Sohn David getötet und dann versucht haben, sich umzubringen. Die Mutter konnte gerettet werden, für den Vierjährigen gab es keine Hilfe mehr.

Die Obduktion bestätigte, dass der Körper des Buben mehrere Stichverletzungen aufwies. Tatwaffe dürfte ein Küchenmesser gewesen sein. „Ob die Stiche auch die Todesursache waren, ließ sich vorerst nicht klären – weitere Untersuchungen sind nötig“, sagt Polizeisprecher Adolf Wöss. Mit einem Endergebnis sei frühestens in drei Wochen zu rechnen.

Gegen Judith M., die nach ihrer versuchten Selbsttötung – sie wurde mit aufgeschnitten Pulsadern gefunden – in einem Linzer Spital behandelt wird, ist ein Haftbefehl erlassen worden.

Keine Vorzeichen

Ein Spielzeuglastwagen vor dem Haus, in dem die unverständliche Bluttat passiert ist, erinnerte am Mittwoch noch an das vierjährige Opfer.
© Bild: PICTURENEWS.AT PETSCHENIG

Die alleinerziehende Pädagogin – der Vater des Buben lebt in England – soll keinen Abschiedsbrief hinterlassen haben. Auch in der Gemeinde findet für die Verzweiflungstat keiner eine plausible Erklärung. Selbst Angehörige sind ratlos.

„Das war eine richtige Vorzeigefamilie, in der es keinen Streit gab. Die Großeltern, die Tochter und das Enkerl – alle sind sehr herzlich miteinander umgegangen“, sagt Helmut Eibensteiner. Sein Neffe ist mit einer Schwester von Judith M. verheiratet: „ Ich hab’ die Nacht auch kein Auge zugebracht.“ Auch Roman Rohrmannstorfer weiß nur Gutes zu berichten. „Ich hab’ die Frau täglich gesehen, wenn sie den Buben zum Kindergarten gebracht hat. Es hat immer so ausgeschaut, als ob alles passt.“ Und Nachbarin Hilde Wagner, 92, die mit Judith M. immer wieder ins Gespräch kam: „Ich hab’ den Eindruck gewonnen, dass sie an dem David sehr gehangen ist.“

Weiterführende Links

( Kurier ) Erstellt am 07.03.2012