Chronik | Oberösterreich
17.02.2018

Gutachter könnte rechten Kongress im Schloss verhindern

Bürgermeister lässt Schloss überprüfen. Bei der Behörde wurden 500 Demonstranten gegen "Verteidiger Europas" gemeldet.

Vom Gutachten eines beeideten Bausachverständigen wird Rudolf Riener, ÖVP-Bürgermeister von Aistersheim im Bezirk Grieskirchen, seine Genehmigung des rechtsnationalen Kongresses der "Verteidiger Europas" am 3. März abhängig machen. Er und Bezirkshauptmann Christoph Schweitzer waren vom "Mauthausen Komitee Österreich" mit Material konfrontiert worden, wonach bauliche Mängel am und im historischen Gemäuer die Teilnehmer des Kongresses gefährden könnten.

Seitdem bekannt ist, dass das umstrittene Treffen teils rechtsextremer Organisationen und Aktivisten, das im Vorjahr in Linz stattfand, im Wasserschloss Aistersheim über die Bühne soll, ist es dort mit der Idylle vorbei. "Uns wäre lieber, die Veranstaltung gäbe es nicht hier", spricht Riener für den gesamten Gemeinderat. Weil das von der rechten Zeitschrift Info-Direkt organisierte Event nicht öffentlich zugängig ist, seien BH und Gemeinde aber die Hände gebunden. Als oberste Baubehörde will Riener aber "allein schon aus Haftungsgründen" kein Risiko eingehen. "Ich werde noch heute den Besitzer aufsuchen und von ihm ein Sachverständigen-Gutachten verlangen", kündigte er am Freitag an. Bei einer Feuerbeschau im Herbst des Vorjahres waren etliche Mängel offenkundig geworden, doch das sei bei so einem alten Gebäude nichts Außergewöhnliches, berichtet der Bürgermeister. Schlossbesitzer Heinrich Birnleitner, der für den KURIER nicht erreichbar war, habe bereits einige der Auflagen erfüllt. So sei ein neuer Brandschutzplan erstellt worden.

Clubbings

Mit dem Klientel des Kongresses der Europa-Verteidiger, bei dem Aktivisten der deutschen AFD- und Identitären-Szene, aber auch FPÖ-Politiker, wie der Grazer Vizebürgermeister Mario Eustacchio als Referenten auftreten werden, hat Clubbing-Veranstalter Johann Gattermeier "absolut nichts zu tun". Der Agenturbetreiber kennt das Schloss Aistersheim gut und findet es für Großveranstaltungen bestens geeignet. "Dass dort und da der Putz abbröckelt ist bei so einem alten Gebäude nichts besonderes. Wir fühlen uns dort sehr wohl und haben noch einiges geplant." Er organisiert gerade für Ende Mai das nächste Groß-Clubbing.

Weil der Kongress als geschlossene Veranstaltung gemeldet wurde, sieht Bezirkshauptmann Schweizer keinen Handlungsbedarf – sehr wohl aber für die Gegenveranstaltung: Die Plattform " Linz gegen rechts" hat für den 3. März zur Demonstration in Aistersheim aufgerufen. Bei BH und Polizei wurden vorerst rund 500 Teilnehmer angemeldet.