Gstanzln, Sturschädeln und Wirtshausrau­fe­reien

FurtnerAspacher Festspielsommer 2011 - Tag der VolksmusikTridoppler Gstanzlsinger31. Juli 2011Foto: Furtner
Foto: Furtner Vierzeilige Gstanzln, wie sie in Aspach vorgetragen werden, erfreuen sich wieder großer Beliebtheit.

Mentalität: Früher galt das Innviertel als Ort der Schlägereien, heute sieht man sich gerne als Widerstandsnest.

Ös Landler, ös Bandler, ös Nudldrucka, wånn d’ Innviertler kemman, miasst’s umirucka!“ Gerne sangen in früheren Zeiten junge Männer aus der Region jenseits des Hausrucks diese Zeilen. Wenn sie wo auftauchten, drohte Ungemach. Über Jahrhunderte hinweg war das Innviertel für Wirtshausraufereien berüchtigt. Mittlerweile sind die wilden Geschichten nur noch ein Mythos und werden von manchen verklärt erzählt. „Das hat sich aufgehört, weil alles gesitteter geworden ist. Mir hat einmal jemand erzählt, er habe in der Vergangenheit den Wert eines Rohbaus verrauft“, sagt Walter Egger aus Eberschwang, der als Mundart-Humorist und Moderator bei Radio Oberösterreich bekannt ist.

Geradlinig

Das Klischee von den Raufbolden einmal ausgeklammert, wie würde er die Mentalität in der Region beschreiben? „Der Innviertler ist geradlinig, und sagt frisch raus, wie wer bei ihm dran ist. Außerdem hat er große Handschlagqualität“, glaubt der Konsulent. Die Menschen würden auch Unbekannte an sich heranlassen. „Wenn im Wirtshaus jemand Fremder alleine an einem Tisch sitzt, bleibt er nicht lange allein. Es ruft gleich wer vom Nebentisch, er solle sich zu ihm setzen.“ Auch beim Feiern könne man den Innviertlern nichts vormachen. „Den Leuten ist es wegen des Reichtums durch die Landwirtschaft immer sehr gut gegangen. Da hat es immer große Hochzeiten gegeben.“

Eine andere Besonderheit der Innviertler sei, dass sie sich nicht alles gefallen lassen und stets eine eigene Meinung haben. Oft wird die Region als Widerstandsnest bezeichnet. „Das hat sich bei der geplanten Verlegung der Palliativstation im Krankenhaus Ried gezeigt. Hier haben die Bürger mit Tausenden Unterschriften dagegen protestiert.“

Ein weniger positives Bild zeichnet Dialektdichter Hans Kumpfmüller aus St. Georgen bei Obernberg. Er kann mit dem Innviertler Sturschädel wenig anfangen. „Das ist diese personifizierte, fleischgewordene Mia-hand-mia-Mentalität. Die ist meines Erachtens peinlich. Für mich wird es unerträglich, wenn man noch versucht, sie krampfhaft zur Tugend emporzustilisieren.“

Dialekt

Für besonders hält er dagegen die Sprache. „Da ist in erster Linie einmal die nuancenreiche Klangfarbe, aber mit einer Präzision und Kompaktheit, die ihresgleichen sucht. Wenn ich von Heimat rede, dann meine ich immer nur die Sprache, alles andere halte ich für ziemlich austauschbar.“

Eine andere Eigenheit der Region sind die Gstanzln, die in den vergangenen Jahren bei der Innviertler Bevölkerung wieder sehr beliebt geworden sind. In vier Zeilen berichten sie über Liebe und Erotik oder nehmen politische Ereignisse auf die Schaufel. „Hauptstadt“ des Gstanzlsingens ist Aspach im Bezirk Braunau, wo sich die Sänger zwei Mal im Jahr treffen.

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(kurier) Erstellt am
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