Chronik | Oberösterreich
09/29/2016

Grillparzer-Spruch auf Wahlplakat empört FPÖ

Hausbesitzer wollten für Van der Bellen werben und verstießen dabei gegen die Bauordnung.

Ein Spruch des österreichischen Dramatikers Franz Grillparzer (1791–1872) sorgt in Leonding für Aufregung. Das Zitat "Von Humanität. Durch Nationalität. Zur Bestialität", prangt seit drei Wochen von einem Plakat auf der Fassade eines Privathauses mitten am Stadtplatz. Unmittelbar darunter wurde noch die Aufforderung "Um das zu verhindern: Alexander Van der Bellen" aufgedruckt.

"Das ist empörend", ärgert sich Peter Gattringer, Fraktionschef der FPÖ-Leonding. Das Plakat suggeriere, dass wenn Norbert Hofer als Bundespräsident gewählt werde, die Bestialität ins Land einkehre. "So etwas hat sich Herr Hofer nicht verdient, er ist ein anständiger Mensch."

Nach Beschwerden von Bürgern habe die FPÖ rechtlich prüfen lassen, ob das Plakat in der Form überhaupt hängen darf. Gattringer: "Tatsächlich ist es nicht erlaubt. Denn es ist größer als vier Quadratmeter und darf laut Bauordnung nur maximal acht Wochen vor bis zwei Wochen nach der Wahl aufgehängt werden."

Das städtische Bauamt forderte die Hausbesitzer inzwischen auf, sich an die rechtlichen Bestimmungen zu halten. "Wäre uns nicht die Wahlverschiebung dazwischengekommen, hätte der Aushängezeitpunkt auch gepasst", bedauert Anita Eyth, die das Plakat gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und dem Leondinger Kulturverein "Kult-ex" entworfen hat.

Eingerollt

Um nicht gegen Gesetze zu verstoßen, reagierten die Hausbesitzer umgehend: "Wir haben das Plakat so weit eingerollt, dass es kleiner als vier Quadratmeter ist", erzählt Eyth. Van der Bellens Name sei dadurch nun nicht mehr sichtbar. "Aber am 10. Oktober wird das wieder geändert."

Mit der Aktion will man ein Zeichen setzen. "Wir haben für Van der Bellen auch gespendet, doch das war irgendwie unbefriedigend. Dann ist bei uns die Idee dazu entstanden." Der Name FPÖ oder Hofer komme in dem Statement bewusst nicht vor: "Wenn die das auf sich beziehen, ist das ihr Problem."

Enttäuscht ist Eyth von den Grünen, die nach Intervention der Freiheitlichen bei ihr anfragten, ob sie das Plakat nicht entfernen könne. "Ich hab’ mit der grünen Partei aber nichts am Hut, das ist eine reine Privatinitiative."

Der grüne Stadtsprecher Sven Schwerer erklärt, warum er mit der Plakataktion wenig Freude hat: "So etwas ist nicht unser Stil – es könnte sein, dass sie Van der Bellen mehr schadet als nutzt."