Chronik | Oberösterreich
04.03.2018

Gotische Kunst am Bürgermeister-Weg

Dietach bei Steyr: Mittelalterliche Fresken machen die Filialkirche Stadlkirchen einmalig.

Vor dreißig Jahren wäre ein Besuch in Dietach bei Steyr noch ganz anders verlaufen. Da begannen engagierte Kunstfreunde gerade erst, die mittelalterlichen Fresken in der Filialkirche Stadlkirchen freizulegen. Heute steht der Besucher vor einer besonderen kulturgeschichtlichen Sehenswürdigkeit. Heike Kuttner bewahrt den Schlüssel zur Kirche und erläutert die bunte Bilderlandschaft aus mehreren Jahrhunderten: "Die Schutzmantelmadonna ist eine der besterhaltenen Wandmalereien aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Sie breitet ihren Hermelinmantel über eine große Schar von Menschen aus. Daneben steigt Margarete unversehrt aus dem Bauch eines Drachen. Alles persönliche Auftragswerke von Mitgliedern des Geschlechts der namensgebenden Stadler."

Später, nach der Zerstörung durch mordende Türken, kam ein weiterer Ausbau im Renaissancestil und der Neugotik dazu. Einmalige Kunst auf kleinstem Raum. Ein letzter Blick fällt noch auf die Reste des ehemaligen Schlosses. "Bereits im Mittelalter gab es hier fließendes Wasser in Küche, Bad und in den Stallungen", weiß Kuttner.

Dann wenden wir uns Richtung Osten durch die Ortschaft Aigen und treffen nach einer Viertel Gehstunde beim Aigener Kreuz auf den Johann Gerstmayr-Rundweg. Dieser ist benannt nach dem ersten Bürgermeister der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Gemeinde. Wir folgen der Markierung durch weitläufige winterliche Felder und durchqueren den Panholz-Wald. Im Weiler Thann angekommen, bietet sich beim gleichnamigen Wirt eine Rast an. Beschaulich führt dann der alte Thannerweg vorbei an Kapellen und Wegkreuzen in südlicher Richtung. Bei schönem Wetter öffnet sich ein herrlicher Panoramablick in die Voralpen. Über den Pfarrberg geht es schließlich fünfzig Höhenmeter hinunter in das Ortszentrum von Dietach. Bürgermeister Johannes Kampenhuber kennt die lange Tradition des Ortes: "Bereits im Jahr 777 wurde der Name als Todicha in den Stifterbriefen des Klosters Kremsmünster urkundlich erwähnt." Munter tummeln sich die Forellen im eisigen Pfarrteich – unbeeindruckt vom nahen 36 Meter hohen gotischen Kirchturm. Wir folgen dem Rundweg und passieren ein bereits 1660 als "Häusl bei der Kirche" urkundlich erwähntes Gebäude. Bald wird wieder ein Wiesenweg erreicht, der sanft ansteigend auf den Ortsteil Heuberg und beim Aigener Kreuz wieder zum Ausgangspunkt führt. Reiche Geschichte und dynamische Gegenwart haben sich bei dieser Zweistunden-Wanderung trefflich verbunden.

Autor Josef Leitner besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Natur und Kultur