Chronik | Oberösterreich
08.06.2017

Geschäfte mit gefälschten Staudacher-Bildern

Brüder bestreiten vor Linzer Landesgericht vorsätzlichen Betrug.

Im Linzer Kunstmuseum Lentos wird der gestern, Donnerstag, eröffnete Betrugsprozess gegen zwei Halbbrüder um gefälschte Bilder des zeitgenössischen Malers Hans Staudacher den Höhepunkt finden. Der 94-jährige Meister soll am Montag im Lentos erläutern, warum die dort aufbewahrten 22 Werke nicht aus seinem Atelier stammen.

Der Prozess gegen einen 67-jährigen pensionierten Bildhauer und seinen 74-jährigen Halbbruder ist für mehrere Tage anberaumt. Es gelte zwei Fragen zu klären, meinte Richter Christoph Freudenthaler: Hat der Hauptangeklagte und ehemalige Galerist erkannt, dass seine Staudacher-Bildern gefälscht sind. Und haben er und sein Bruder bewusst versucht, Fälschungen zu Geld zu machen.

Das behauptet Staatsanwältin Elisabeth Tavernao. Sie wirft dem Duo schweren und versuchten schweren Betrug vor. Durch den Verkauf der Bilder sei ein Schaden von 78.000 Euro entstanden, weitere 41.500 Euro hätten dazukommen können. Der Fall kam ins Rollen, weil ein Käufer aus Niederösterreich eine Fälschung im Lentos prüfen ließ. Der Hauptangeklagte war Weltenbummler, hat einen bolivianischen Pass und war häufig in Geldnot. Mit gut einer halben Million Euro will ihn sein in München lebender Halbbrüder unterstützt haben. Der 74-jährige war als Architekt erfolgreich. Anfang der 2000er Jahre betrieb der einschlägig vorbestrafte Bildhauer in Linz eine Galerie. In dieser Zeit, so sein Anwalt Sebastian Mairhofer, habe ihm ein Händler im Beiseins des schon verstorbenen Sohnes von Hans Staudacher 25 Werke des Künstlers verkauft.

Keine Zweifel

Nie habe er an der Echtheit der Gemälde gezweifelt, so der Beschuldigte. Selbst im Dorotheum wurde eines versteigert. Als die Galerie Pleite ging und Gläubiger anklopften, habe der Münchner Bruder mit falschen Herkunftsnachweisen geholfen, die Bilder vor Zugriff zu schützen. Wer die Bilder gefälscht haben könnte, ist nicht bekannt.

Ein erster Zeuge, ein Kunstprofessor, nannte den Angeklagten als fairen Partner. Den Staudaucher-Sohn als Verkäufer kannte er aber nicht.