Schimpls Devise: Ein Bürgermeister muss hauptberufllich sein. Mit halben Sachen kann man keine gute Leistung erwarten.

© foto-reiter.com | A. Reiter

Vorchdorf
09/21/2013

„Genuss am Fluss“: Neuer Wanderweg

7500 Einwohner, 3000 Arbeitsplätze. Die Marktgemeinde profitiert von der außergewöhnlichen Lage an der A 1, sie liegt mitten in Oberösterreich und am Eingang zum Salzkammergut.

von Josef Ertl

Gunter Schimpl (45) ist seit 2008 Bürgermeister in Vorchdorf. Seine ÖVP, die 15 der 31 Gemeinderatssitze stellt, regiert in einer Koalition mit den Grünen (drei Sitze). Die Sozialdemokraten stellen neun Gemeinderäte, die Freiheitlichen fünf.

KURIER: Vorchdorf kennen die meisten als Abfahrt von der Westautobahn A 1. Es fallen hier vor allem die Betriebe entlang der A 1 auf.Gunter Schimpl: Vorchdorf war schon bei der ersten Industrialisierungswelle um die Jahrhundertwende dabei. Da gab es eine Papierfabrik und die Leder- und Schuhfabrik Kitzmantel, die unter anderem Militärstiefel produzierte. Beide gibt es aber nicht mehr. Mit der Autobahn haben sich größere Unternehmen angesiedelt. Der wichtigste ist der Autozulieferer Miba mit rund 800 Beschäftigten. Miba kam in den 1970er-Jahren nach Vorchdorf.

Betriebe kann es nur geben, wenn es Ermöglicher gibt. Die Ermöglicher sind die Grundbesitzer. Wir haben genügend Flächen. Der erste Leitbetrieb, der sich angesiedelt hat, war der Fensterbetrieb Wick. Der Senior fuhr auf der Autobahn von Linz bis nach Vorchdorf, wo sie damals endete. Er ging zum Wirt, zum Ziegelböck, und fragte, wo er Grund kaufen könnte. Dieser vermittelte ihm einen Verkäufer. Der Grund war günstig, die Arbeiter waren billiger als in Linz.

Wo Tauben sind, fliegen Tuben zu. Es kam dann aus dem Raum Wien die Feuerverzinkung Lössl mit rund 80 Beschäftigten. Der Traditionsbetrieb schlechthin ist die Brauerei Eggenberg (90 Beschäftigte). Sie wurde 1681 gegründet und ist seit 1803 im Besitz der Familie Stöhr. Weitere wichtige Arbeitgeber sind die KMB Metalltechnik mit mehr als 100 Mitarbeitern und die Hesoun Metall- und Kunststofftechnik mit ebenfalls 100 Beschäftigten.

Vorchdorf profitiert sehr von der seiner zentralen Lage.

Ohne Autobahn hätte Vorchdorf nie diese Entwicklung genommen. Nach Linz sind es mit dem Auto 35 Minuten, nach Salzburg eine schwache Stunde, Wien, Graz und München sind in zwei Stunden erreichbar. Zwischen Gmunden und Vorchdorf verkehrt eine Schmalspurbahn, die täglich von 1000 Gästen benutzt wird. sie findet immer stärkeren Zuspruch.

Die sechs Gemeinden des Almtales haben sich zu einem Tourismusverband zusammengeschlossen. Bei uns herrscht auch eine starker Geschäftstourismus. Das fängt bei den Monteuren an und hört bei den Firmenchefs auf.

Neben dem wirtschaftlichen Schwerpunkt versuchen Sie auch touristisch etwas auf die Beine zu stellen.

Genau. Für uns ist der Ein- und Zweittagestourismus interessant. Er findet bereits statt, nur noch nicht in dem Ausmaß, wie wir uns das vorstellen.

Was kann der Besucher unternehmen?

Er kann im Winter das Schigebiet Kasberg nützen. Heute, Sonntag, ist der große ORF-Wandertag bei uns zu Gast. Es kommen Seniorengruppen und Stammtischausflüge. Viele kommen, um das BMW-Motorradmuseum zu besuchen. Franz Amering ist gelungen, dass er von jeder BMW-Baureihe ein Stück da hat.

Die Leute kommen auch wegen der Gastronomie. Wir haben das Haubenlokal Tanglberg, zu dem die Gäste sogar aus München oder Wien anreisen. Vor zwei Wochen hat im Renaissancebau Schloß Hochhaus ein bürgerliches Gasthaus eröffnet.

Die Gemeinde hat die ehemalige Kitzmantelfabrik in ein Kultur- und Veranstaltungszentrum umgebaut.

Wir haben hier derzeit 160 Belegtage. Das war eine Schuhmanufaktur, die hochqualitative Lederschuhe produziert hat. Vor 20 Jahren hat sie ihren Betrieb eingestellt. Die Politik hat sich durchgerungen, das Gebäude zu erhalten,obwohl es auch andere Stimmen gegeben hat, die den Abriss wollten. Die Entscheidung für den Erhalt spricht für die Qualität der Gemeindepolitik, weil hier alle Kräfte zusammengearbeitet haben. Sonst könnte man solche Projekte auch nicht verwirklichen. Die Fabrik ist um rund eine Million Euro gekauft und um drei Millionen adaptiert worden. Zwei Millionen kamen vom Land Oberösterreich. Der Erfolg hat uns recht gegeben.

Wo liegt das Zukunftspotenzial von Vorchdorf?

Im weiteren Ausbau von Industrie und Gewerbe. Wir wollen die Arbeitsplätze und die Regionalität erhalten. Das betrifft sowohl das Gewerbe als auch die Landwirtschaft. Wir haben nach wie vor ein sehr starkes Gewerbe. Die kleinen Familienbetriebe sorgen für die vielen Lehrplätze. Das ist ein Qualitätsfaktor für den ganzen Ort.

Einen Teil unserer Zukunft sehe ich im regionalen Tourismus und in der Natur. Das Gebiet reicht von Bad Wimsbach Neydharting bis zum Kasberg. Dazwischen gibt es eine Gegend, die man sanft erobern kann. Für nächstes Jahr ist die Eröffnung eines 54 km langen Wanderweges geplant, der unter dem Motto steht Genuss am Fluss. Denn die Alm rinnt mitten durch Vorchdorf.

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