Chronik | Oberösterreich
26.09.2017

Frust über Jobverluste als Motiv

Nach Angriff auf Bürgermeister und Amtsleiter sind Gemeindemitarbeiter über verlängerte U-Haft froh.

Seine Wut über den oftmaligen Verlust des Arbeitsplatzes könnte Anfang September der Auslöser für die Attacken eines 40-jährigen Mannes auf den Bürgermeister und den Amtsleiter von Dimbach im Bezirk Perg in Oberösterreich gewesen sein.

Mit Erleichterung und Genugtuung haben die Bediensteten des Gemeindeamts die Verlängerung der Untersuchungshaft über den Niederösterreicher vernommen. "Wäre er frei, ginge es uns allen gar nicht gut", sagte Ortschef Josef Wiesinger. Er und die fünf Mitarbeiter am Amt verfolgen die weiteren Entwicklungen. Betreut von der Opferschutzorganisation "Weißer Ring" interessiert die Dimbacher vor allem das Ergebnis eines psychologischen Gutachtens, das die Staatsanwaltschaft Linz über den aus Pöggstall im Bezirk Melk stammenden Harald D. in Auftrag gegeben hat.

Attacke

Wie berichtet, soll er am 6. September wutentbrannt im Gemeindeamt auf den Bürgermeister losgegangen sein. Mit dem Vorwurf, dass er ihn ruiniert habe, soll D. dem Ortschef sogar eine Pistole an die Brust gehalten haben, die sich später als Schreckschusswaffe herausstellte. Den Amtsleiter, der Wiesinger zu Hilfe kam, soll der Verdächtige Messerstiche in den Oberarm versetzt haben. Vor der Flucht stieß er auch noch eine Gemeindebedienstete nieder. Auf der Polizeiinspektion in Persenbeug (NÖ) stellte sich der Verdächtige dann eine Stunde später und gestand die Attacken.

Der verletzte Amtsleiter befinde sich noch im Krankenstand, sagte Wiesinger. "Er hat Schmerzen und muss zur Kontrolle öfters in Spital". Separate Sicherheitsvorkehrungen habe man am Amt nicht getroffen. "Wie sollten wir das konkret machen? Ich war gestern zum Beispiel den ganzen Tag unter Leuten", erklärt der Gemeindechef.

Der Grund für den Angriff ist für den Bürgermeister, der D. zuletzt vor rund 22 Jahren bei einem privaten Zusammentreffen gesehen hatte, noch immer rätselhaft. Offenbar habe sich der Mann in seiner tristen Lebenssituation immer mehr auf Wiesinger als den Schuldigen fokussiert. "Ich habe gehört, dass er x-mal Jobs angenommen und wieder verloren hat. Aufgrund meiner Befugnisse als Bürgermeister soll ich dafür gesorgt haben, dass er seine Arbeit verliert", erzählte Wiesinger kopfschüttelnd.

Ermittlungen

Aus dem Landeskriminalamt OÖ wurde die Darstellung bestätigt. Man habe die Ermittlungen weitgehend abgeschlossen, der Endbericht wurde aber noch nicht bei der Staatsanwaltschaft deponiert.

Ermittelt wurde gegen D. nicht wegen Mordversuchs, sondern wegen absichtlicher und versuchter schwerer Körperverletzung sowie wegen gefährlicher Drohung. Gründe, dass die bis 23. Oktober verlängerte U-Haft danach aufgehoben werden könnte, sah der Sprecher der Staatsanwaltschaft Linz, Philip Christl, vorerst nicht. "Das steht nicht im Raum. Wir haben die Verlängerung ja beantragt."

Konkrete weitere Schritte könnten erst nach dem Vorliegen des bei der Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner in Auftrag gegebenen Gutachtens gesetzt werden. Ebenfalls noch ausständig ist die Expertise eines medizinischen Sachverständigen, der die Verletzungen des Amtsleiters sowie die Umstände, wie es dazu kam, untersucht.