Scuben in einem Gebirgsbach im Nationalpark Kalkalpen

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Chronik | Oberösterreich
08/10/2019

Flusstauchen in der Krummen Steyrling

Über und unter Wasser: Eine Expedition als Schnorchler in die Unterwasserwelt der Steyrling.

Glasklar schimmert das grüne Wasser der Krummen Steyrling. Der Fluss scheint Vergnügen daran zu haben, einige gut in Neopren verpackte Fremdlinge als Gäste aufzunehmen. Wir Schnorchler lassen uns wie schwerelos gemeinsam mit den Fischen vom Strom mittreiben. Anfangs fühlen sich 14 Grad noch richtig kalt an, bis ein Wasserfilm am ganzen Körper eine warme Isolierschicht gebildet hat.

Einfach treiben lassen

Der Naturschauspiel-Führer, Rafting- und Outdoorguide Herbert Schörkhuber hat uns in Molln beim Maultrommelerzeuger Wimmer in die Krumme Steyrling geleitet. Er schlägt drei Möglichkeiten der Fortbewegung im Wasser vor: Einfach bäuchlings ins Wasser legen und sich mit Kopf nach vorne treiben lassen. Aber trotzdem die Umgebung oberhalb der Wasseroberfläche beobachten. Wenn nämlich eine größere Stromschnelle in Sicht ist, dann auf den Rücken legen und mit den Füßen nach vorne diese passieren. Falls ein gröberes Hindernis auftaucht, zu Fuß weitergehen.

 

Alle diese Varianten werden wir bei der 1,5 km langen Strecke auf der Krummen Steyrling bis zur Mündung in die Steyr ausprobieren. Die Schnorchelvariante ist natürlich die Erlebnisreichste. Wir werden für eine Weile selbst Teil des Flusses. Anders als im Meer oder einem See gibt die Strömung die Richtung vor. Sich einfach treiben lassen und die Fische beobachten: Bachforellen, farbig gestreifte Regenbogenforellen, Äschen und kleine Elritzen.

Sich dem Wasser anvertrauen

Sich dem Fluss anvertrauen und nicht gegen die Strömung ankämpfen. Unter uns gleiten Steine aller Farbschattierung von Schwarz über alle bunt-Varianten bis weiß vorbei. Dann wieder Felsen, die bis knapp unter die Wasseroberfläche reichen und beinahe den Bauch des schwimmenden Passanten streifen.

Felsriesen

Einige Wegstrecken legen wir auch zu Fuß zurück, was eine gute Gelegenheit bietet, die mächtigen Konglomeratfelsen zu bestaunen. Die aus Kies und Sedimentgestein gebildeten Felsriesen bilden neben den Wäldern den malerischen Rahmen für den Fluss. Schließlich gelangen wir an die Mündung der Steyr, die hier bereits die Hälfte ihrer Gesamtlänge von 68 km zurückgelegt hat, seit sie im Talschluss von Hinterstoder aus sieben Quellen entsprungen ist.

Autor: Josef Leitner

58 Zuflüsse

Willi Girkinger hat als Mitherausgeber des Prachtbandes „Die Steyr“ bemerkenswerte Zahlen zu diesem smaragdgrünen Fluss angemerkt: Er ist der längste zur Gänze im Bundesland Oberösterreich liegende Fluss. 58 Zuflüsse hat er, 42 Brücken überqueren ihn, elf Kraftwerke oder Wehre unterbrechen seinen Lauf. 6,75 Grad Celsius „warm“ ist die Steyr im Jahresmittel.

Da haben wir ja noch Glück. Anfang August messen wir immerhin schon 12 Grad. Immer noch kühl, aber wir sind gut geschützt. Herbert hat uns noch eine „Eisweste“ zusätzlich zum Neopren-Anzug gegeben. So überstehen wir problemlos die folgende 40 Minuten-Schnorchelreise. Schnell, bunt, kalt und wild geht es jetzt dahin. Die Sonne beleuchtet die tief unten liegenden Steine. Viel zu schnell gelangen wir ans Ziel dieser Unterwasserreise, der Rinnenden Mauer. Dieses Naturjuwel ist eine großflächig austretende Quelle. Aus der 40 m hohen überhängenden Steilwand sprudelt ganzjährig Wasser heraus und erzeugt eine eigene Flora. Ein würdiger Abschluss dieses Flussabenteuers.