Chronik | Oberösterreich
04.01.2012

Fall Braunau: Verdächtiger war zurechnungsfähig

Der 17-Jährige soll seinen Freund aus Eifersucht getötet haben. Auch im Fall Paulina liegen neue Gutachten vor.

Im Fall der tödlichen Messerattacke unter Schülern in Braunau hat  der Salzburger Gerichtspsychiater Ernst Griebnitz am Dienstag den verdächtigen Ivan D. begutachtet. Der 17-Jährige musste mehrere psychodiagnostische Verfahren durchlaufen. Das Ergebnis fiel zwiespältig aus.


„Er war zur Tatzeit zurechnungsfähig. Allerdings sind bei ihm auch erhebliche Persönlichkeitsstörungen diagnostiziert worden, die eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher indizieren“, erklärt Alois Ebner von der Staatsanwaltschaft Ried. Organische Hirnerkrankungen seien nicht festgestellt worden. Der junge Mann sei zum Tatzeitpunkt weder alkohol- noch suchtmittelbeeinträchtigt gewesen.

Schutzbehauptung

Ivan D. behauptet standhaft, sich weder an die Tat noch an einzelne Tatumstände erinnern zu können. Die Staatsanwaltschaft  vermutet aber eine Schutzbehauptung: „Es ist davon auszugehen, dass es sich um einen seit Längerem geplanten Mord gehandelt hat.“ D. soll sich, wie berichtet, Tage vor dem 20. November  im Internet zu Themen wie Jugendstrafe für Mord in Österreich, Mord aus Liebeskummer und Was passiert, wenn ein Mensch stirbt informiert haben.
Laut Obduktion soll er den 16-jährigen Sebastian D. mit einem Hammer niedergeschlagen und ihm mit zwei Messern 20 bis 30 Stichverletzungen zufügt haben. Hinweise auf Mittäter gibt es keine.


„Als Motiv kommt ausgeprägte Eifersucht und damit verbundene Verlustangst in Betracht“, sagt Ebner. Details dazu gibt er nicht bekannt. Dritte dürften aber keine Rolle gespielt haben.
Ivan D. droht wegen Mordes eine Strafe bis zu 15 Jahren Haft sowie die Einweisung in eine Anstalt. Sein Anwalt Franz Essl übt Kritik an der Staatsanwaltschaft: „Die Einschätzung über den psychiatrischen Zustand  meines Mandanten beruht nur auf mündlichen Äußerungen – so etwas ist unüblich. Ein schriftliches Gutachten liegt noch nicht vor.“

Fall Paulina

Nach dem Mord an der 14-jährigen Paulina aus Bad Ischl liegen laut News nun die Gutachten zu den beiden Verdächtigen, Klaus und Konstantin K., vor. Psychiater Reinhard Haller bezeichnet den 48-jährigen Stiefvater Klaus K., der  in der U-Haftzelle Selbstmord verübt hatte, als narzisstisch schwerst gestörten, unter hohem Aggressionspotenzial stehenden Menschen, der in beleidigtem Zustand jegliches Empathievermögen verliert. Sohn Konstantin weise eine unreife Persönlichkeitsstruktur auf. Der 19-Jährige habe zum „tatdominanten“ Vater ein pathologisches Abhängigkeitsverhältnis gehabt.