„Everbody’s darling ist everbody’s Depp“

Landeshauptmann stellvertreter Franz Hiesl ist gut drauf. Er ist gesund und feiert morgen, Montag, seinen 60. Geburtstag.

Franz Hiesl hat sich geändert.  Der  Landeshauptmannstellvertreter ist milder geworden, obgleich  er die ihm eigene Zähigkeit nicht verloren hat.  „Es ist eine gewisse Vernunft dazugekommen. Ich bin überlegter", sagt er im Gespräch mit dem KURIER aus Anlass seines 60. Geburtstages. „Ich weiß schon, wie die Dinge ausgehen. Wenn man jung ist, läuft man die ganze Wegstrecke ab und schaut, dass man am schnellsten dort ist.  Heute gibt es Schnellere, weil sie jünger sind.  Aber wir Ältere müssen mit unserer Energie haushalten. Ich kenne heute die Abkürzungen und weiß, wie man den entscheidenden Punkt erreicht." Er habe auch als Älterer nicht vor, ein Softie zu werden.  Er halte sich an den Ausspruch von Franz Josef  Strauss: „Everbody`s darling ist everbody`s Depp." Er habe auch als 60-Jähriger nicht vor, mit allen gut sein zu müssen.

Aus hartem Holz

Hiesl stammt aus  Willing in Eschenau, das an Neukirchen/W. im nördlichen Teil des Bezirkes Grieskirchen grenzt. Hier wird das Brot hart verdient. Franz war der Älteste von zehn Geschwistern. Wie andere auch, fuhr er zur Arbeit nach Linz in die voestalpine.  Über die Junge ÖVP lernte er Landeshauptmann Josef Ratzenböck, einen Neukirchner, und Josef Pühringer kennen. Beide förderten ihn.

Hiesl hat den langen Atem, den man in der Politik benötigt. „Für das Ankündigen und das Beginnen bekommt man nichts. Das Durchhaltevermögen ist das Entscheidende.“ Er selbst will bis zur Landtagswahl im Jahr 2015 im Amt bleiben. Dann war er 20 Jahren Straßenbaureferent.  „Auf Bundesebene habe ich mit Doris Bures bereits den neunten Minister.“ Nicht nur Staub aufwirbeln, sondern Spuren hinterlassen, ist seine Devise. „Meine Spuren im Straßenbau sind nachhaltig und unauslöschlich.“

Hiesl Aufstieg ist seit den 1970er-Jahren mit dem von Josef Pühringer verbunden. Die Rollenverteilung war perfekt, Hiesl übernahm stets das Unangenehme, das auch gemacht werden musste.  „Der Sepp ist ein Glücksfall.   Es gibt keine Landespartei, bei der es an der Spitze ein so enges Vertrauensverhältnis  wie bei uns gibt.“

Mit seiner Energie und Kraft ist Hiesl stets an die Grenzen gegangen. Zwei Mal hat er sie touchiert.  Am Sonntag, den 14. Mai  2000, schlief er aus Übermüdung   auf der Autobahn ein,    seine Frau Theresia und er entstiegen dem Totalschaden beinahe unverletzt.   „Die 1000 Schilling, die ich für das Wrack bekommen habe, habe ich sofort dem Pfarrer gespendet.“ Beim Skiunfall in Lech vor zwei Jahren war er in Gefahr, querschnittgelähmt zu werden. „Diese Spuren sind unauslöschbar. Innerhalb von Sekunden könnte alles anders sein.“

Gelungenes Leben

Heute freut er sich, dass es das Leben mit ihm gut gemeint hat.  „Ich freue mich über jeden Tag und weiß noch so viel, was zu tun ist. Aber ich weiß auch, dass man hintennach nicht einen halben Tag ans Leben anhängen kann." So soll doch noch ein bisschen Zeit  für die Hobbys bleiben: Kartenspielen, Fischen, Skifahren Reisen und „ab und zu schieße ich einen Bock".

( Kurier ) Erstellt am 24.03.2012