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Chronik Oberösterreich
12/05/2011

"Essen verbrennen ist ungeheuerlich"

Hubert von Goiserns Lied "Brenna tuats guat" erklimmt mit kritischen Texten die Charts. In Deutschland weigern sich ein paar Sender, es zu spielen.

von Daniel Voglhuber

Sehr kritisch und erfolgreicher denn je stürmt Hubert von Goisern mit seinem Lied "Brenna tuats guat" an die Spitze der heimischen Single-Hitparade. Mit wütenden Textzeilen zur Finanzkrise wie "wo is des geld/ des was überall fehlt/ja hat denn koana an genierer/wieso kemman allweil de viara/de liagn" dürfte er genau die Stimmung vieler Menschen getroffen haben.

Beschwerden aus der Finanzwirtschaft wegen des scharfen Texts seien bei ihm noch nicht eingelangt. "Mein Kundenberater bei der Bank hat mir sogar gratuliert, den Nagel direkt auf den Kopf getroffen zu haben." Wer in dem Lied genau mit den Falotten gemeint ist, die stehlen und die der Teufel holen soll, verrät der Musiker aber nicht. "Das kann man sich denken. Aber die hat sich der Teufel ohnehin schon geholt und hat sei bei den Eiern gepackt."

Essen

Anlass, das Lied zu schreiben, sei die Verarbeitung von Lebensmittel zu Treibstoff gewesen, das er in einer Strophe von "Brenna tuats guat" heftig geißelt. "Ich finde das ungeheuerlich, vor allem wenn es so viele Menschen auf der Welt unter Mangelernährung leiden." Jeder wisse, dass das ein großer Blödsinn sei. Dennoch werde es gemacht, weil das eben funktioniere. "Das Thema brennt mir schon seit Jahren unter den Nägeln. Nur, das Problem ist nicht wegzusingen."

In Deutschland haben sich ein paar Radiostationen geweigert, den Song über den Äther zu schicken. "Es gab Rückmeldungen, das ist Gesellschaftskritik, das brauchen wir nicht. Aber wenn nicht jetzt, wann ist dann Kritik angebracht?", fragt sich der streitbare Volks- und Rockmusiker. Hat er beim Schreiben von "Brenna tuats guat" bereits gespürt, dass es ein Hit wird? "Ich habe mir gedacht, dass ist ein super Refrain. Wo sich dann eine Nummer hinentwickelt, kann man aber im Vorhinein nicht wissen."

Auch das aktuelle Album "Entwederundoder" verkauft sich derzeit hervorragend. Aktuell liegt es auf Platz zwei der österreichischen Longplayer Charts.
Im Gegensatz zur vorangegangenen Platte "S'Nix" und der Linz-Europa Tour mit vielen Instrumenten und Musikern, kommt die aktuelle sehr minimalistisch daher.

Wunsch

Ziehharmonika, Bass, Gitarre und Schlagzeug sind die einzigen Klangwerkzeuge, auf die Hubert von Goisern mit seiner jungen Band zurückgreift. "Das war ein neues Bedürfnis von mir, etwa so wie manche ans Meer fahren oder auf einen Berg gehen. Mich hat nach der Opulenz der vergangenen Zeit gereizt, wie weit ich die Musik runterreduzieren kann, ohne dass sie zur Kleinkunst wird."

Ab Jänner 2012 geht es dann auf Tournee für das neue Album. Rund 100 Konzerte sind bis 2013 eingeplant. "Dann möchte ich das Projekt abgeschlossen haben. Ich brauch danach wieder ein paar Jahre, um mir etwas Neues einfallen zu lassen." Gefahr, dass ihm bei so vielen Auftritten einmal langweilig werden wird, bestehe nicht. "Ich will am Stück spielen, weil ich eine Zeit lang brauche, bis ich warm bin" Der Konzertbetrieb schließe dann fast alles andere aus. "Ich kann nichts anderes tun und geile Konzerte spielen, obwohl es mich anfangs Überwindung kostet rauszugehen."

Lebenslauf

Hubert von Goisern, mit richtigem Namen Hubert Achleitner, wurde am 17. November 1952 in Bad Goisern geboren. Er feierte mit der Band Alpinkatzen, die sich 1994 auflöste, Anfang der 90er Jahre mit Liedern wie "Koa Hiatamadl", "Heast as nit" oder "Weit, weit weg" große Erfolge. Danach komponierte er unter anderem die Musik zu Joseph Vilsmaiers Kinofilm "Schlafes Bruder" und unternahm Expeditionen nach Tibet und Afrika. Ab Sommer 2007 war er mit einem zur Bühne umgebauten Frachtschiff bei der Linz Europa Tour auf verschiedenen Flüssen Europas von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer unterwegs. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.