Chronik | Oberösterreich
07.01.2012

Einsamkeit, Schmerz und Verfall

Düstere Themen sind die Spezialität des Linzers Hermann Fuchs. Er setzt Einzelfotos zu einem Werk zusammen.

Das reine Abbilden von Dingen und Menschen mag Hermann Fuchs gar nicht. „Das Äußerliche ist für mich langweilig. Diese Darstellung hat eher den Zweck einer überhöhten und verschärften Dokumentation“, sagt der Fotograf aus Linz. „Für mich sind die Dinge dahinter wichtig“, erklärt der Künstler, der in seinem Brotberuf als Unternehmensberater arbeitet.

Die Themen, die er in seinen ausdrucksstarken Werken aufgreift, sind düster: Einsame Menschen, Angst und Schmerzen finden sich in seiner Kunst wieder. Oft werde er gefragt, warum er nichts Fröhliches mache. „Das hat sich einfach so ergeben. Mich haben Benachteiligung, Leid und Unterdrückung in der politischen Auseinandersetzung immer interessiert. Außerdem finde ich bei fröhlichen Stimmungen keinen künstlerischen Zugang“, sagt der studierte Volkswirtschaftler.

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Und diese positiven Gefühle seien ohnehin schon von der Werbung belegt. Emotionen wie Angst und Einsamkeit seien wesentlich intensiver als die Fröhlichkeit.

Die Kamera ist häufige Begleiterin des 56-Jährigen. Die Menschen, die meist während Urlauben im Ausland vor seine Linse kommen, wissen nicht, dass die sie Teil eines Kunstwerks werden. „Ich will nichts arrangieren oder inszenieren.“ Beispielsweise habe er in Stockholm eine junge Dame fotografiert, die in einer Touristengruppe stand. „Sie sah desinteressiert aus. Ich war fasziniert, dass man so alleine sein kann, obwohl man mitten unter Menschen steht. Ich wüsste nicht, wie ich einen solchen Ausdruck arrangieren könnte.“

Beim Großteil seiner Bilder befasst er sich aber nicht mit Personen, sondern mit der Struktur von Objekten, die ein eigenes Leben entwickeln können, sowie mit der Veränderung bei ihrem Zerfall. „Etwas verfallen zu sehen hat etwas mit dem Abschiednehmen zu tun. Außerdem haben Dinge, wenn sie verfallen, eine hoch spannende Struktur. Gerade Rost finde ich wunderschön.“

Titellos

Lange Zeit hat Fuchs seinen Fotos keine Namen gegeben und gehofft, dass sie bei den Betrachtern die gleichen Emotionen auslösen wie bei ihm und das Bild auch so interpretieren wie er selbst. „Das geht aber nur bedingt, weil man sich nie von den eigenen Eindrücken lösen kann.“ Jetzt hängen bei Ausstellungen die Titel der Werke neben seiner Kunst. „Das ist besser für die Kommunikation.“

Mit seiner Arbeitstechnik orientiere er sich an der Malerei. „Ich möchte die Träger von Dingen und Emotionen herausarbeiten.“ Das Ganze passiert dann am Computer. Hier fügt er mit dem handelsüblichen Photoshop mehrere Einzelbilder zu einem Werk zusammen.

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