Chronik | Oberösterreich
04.02.2018

Drei Türme, drei Orgeln, drei Halbkuppeln

Die schönste Dreifaltigkeitskirche der Welt ist Dank für das Ausbleiben der Pest.

Die besondere Geschichte und eine einzigartige Sehenswürdigkeit lohnen einen Besuch von Stadl-Paura. Schon seit der Hallstattzeit wurde auf der Traun Salz geschifft und später für den Weitertransport in sogenannten "Stadln" gelagert, die dem Ort den Namen gaben. So wurde Stadl-Paura zum Umschlagplatz für das Salz des Salzkammergutes.

Der Parkplatz unterhalb des "Paurahügels" ist Ausgangspunkt einer spannenden Erkundigungstour. Der erste Blick fällt auf die Paurakirche, einen formvollendeten Kirchenbau. Im Inneren der barocken Kirche überwältigt die einzigartige Gestaltung. Benediktinerpater Elija Oberndorfer: "Die Drei als Symbol der Dreifaltigkeit beherrscht die Architektur. Die Kirche hat drei Türme, drei Orgeln, drei Halbkuppeln, drei Eingangsportale und der Grundriss des ganzen Baus ist ein Dreieck. Es werden alle drei Altäre genutzt – dem jeweiligen Festkreis folgend wechselt drei Mal im Jahr die Sitzordnung und die Blickrichtung der Gläubigen." Es lohnt, in der wohl schönsten Dreifaltigkeitskirche der Welt in Stille die Details der zahlreichen Kunstwerke zu betrachten. Der Baumeister Johann Michael Prunner und die Maler Altomonte und Carlone haben Meisterhaftes im Auftrag des Abtes Maximilian von Lambach geschaffen: Er hat dieses Barockjuwel als Dank dafür gestiftet, dass die Gegend im Jahr 1713 von der Pest verschont blieb.

Ager mündet in Traun

An der Wand des gegenüberliegenden Pfarrhofs erinnern drei eingemauerte Kanonenkugeln an die dunkle Zeit der Franzosenkriege. Wir blicken nun hinunter auf die von der Traun umflossene Insel und überqueren auf dem Paurasteg den Fluss. Die Enten tauchen minutenlang ins winterkalte Wasser und lassen sich bei der Futtersuche nicht stören. Wir folgen dem Traunufer-Radweg, der hier auch Teil des Jakobs- und des Römerwegs ist. Als einziges Geräusch begleitet den Wanderer das muntere Plätschern des Wassers. Beim ruhigen Dahinwandern dehnt sich die Zeit behaglich.

An einem Teich informiert eine Tafel über die jährlich neu eingesetzten Fische. Neben Forellen sind dies auch 4000 Stück der mittlerweile ausgestorbenen Nasen. Um 1930 waren dies die meistgefangenen Fische. Der weitere Weg führt zum "Agerspitz", einer ausgesprochen idyllischen Flusslandschaft, wo die Ager in die Traun mündet. In der Jausenstation beim Wirt in der Fischerau geben im 200 Jahre alten Gewölbe regionale Köstlichkeiten wieder neue Kraft für den Rückweg – oder für weitere Erkundung der vielen Wege entlang von Ager und Traun.

Autor Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätz der Natur und Kultur.