Chronik | Oberösterreich
08.10.2017

Die Zahl der Zöliakie-Erkrankten steigt

Ich bitte Sie um Verzeihung, wenn ich meinen Beitrag heute leicht zynisch beginne. Es gibt zwei Sorten von Menschen: diejenigen, die glauben, laktose-, fructose-, histamin- und glutenintolerant zu sein und diejenigen, die finden, dass der Hype um Unverträglichkeiten derzeit etwas übertrieben ist.

Deshalb habe ich mir diesmal ein Thema herausgepickt, um damit hoffentlich einige Missverständnisse klären zu können: die Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie.

Was ist Gluten? Das ist ein Gemisch aus verschiedenen Eiweißarten, welches im Samen bestimmter Getreidearten vorkommt. Es wird auch Klebereiweiß genannt, weil es in Verbindung mit Wasser das Teiggerüst von Brot und Gebäck darstellt. Durch seine Dehnbarkeit kann das Gluten das sogenannte Gärgas – sprich Kohlendioxid – im Teig halten , wodurch dieser beim Backen aufgeht und auch danach seine Form behält. Unsere typischen Brotlaibe benötigen also Gluten, während ein Fladenbrot ohne selbiges auskommt.

Bei der Zöliakie kommt es aufgrund einer Überempfindlichkeit gegen Bestandteile von Gluten zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Die Krankheit hat also Ähnlichkeit mit Allergien und Autoimmunerkrankungen. Typische Symptome sind Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Durchfall und Erbrechen sowie eine verzögerte Entwicklung im Kindesalter. Weiters besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Lymphknotenkrebs und bösartigen Tumoren des Verdauungstraktes. Es ist also durchaus wichtig zu wissen, ob man an einer Weizenallergie , einem sogenannten Reizdarmsyndrom oder einer Zöliakie leidet. Dies kann einerseits mittels spezieller Blutwerte bestimmt werden, Sicherheit verschafft allerdings nur eine Biopsie der Dünndarmschleimhaut. Diese kann im Rahmen einer Magen-Darm-Spiegelung entnommen werden.

Dinkel keine Lösung

Die Therapie der Zöliakie besteht einzig und allein aus dem Einhalten einer glutenfreien Diät. Getreide mit hohem Glutengehalt sind Dinkel und Weizen. All jene, die wegen einer vermeintlichen Glutenunverträglichkeit von Weizen auf Dinkel umsteigen, leiden also definitiv nicht daran. Roggen, Hafer und Gerste enthalten bereits weniger Gluten, Hirse, Mais und Reis sind gänzlich glutenfrei. Wie übrigens auch die sogenannten "Urgetreide" Quinoa, Amaranth und Buchweizen, die wieder mehr in Mode kommen.

Säuglinge zufüttern

Zynismus hin oder her: Die Zahl der Zöliakie-Erkrankten steigt. Einerseits natürlich durch die vermehrten Untersuchungen, sogenannte "Screenings". Andererseits – und das ist mein heutiger Appell an die Jungmütter – durch den Zeitpunkt des Zufütterns. Idealerweise sollte dies im vierten bis sechsten Lebensmonat schrittweise geschehen, während noch gestillt wird. So kann der Säugling quasi unter geschützten Bedingungen sein Immunsystem ausbilden. Dadurch lernt der kleine Körper zu unterscheiden, was gefährlich ist, somit bekämpft werden muss und was man ruhig essen darf.

Autorin: Silke Kranz