"Die Medizinfakultät ist großartig"

Mikrobiologe Peter Palese © Bild: honorarfrei/Josef Ertl

Der weltweit anerkannte Mikrobiologe und gebürtige Linzer plädiert für intensiven Wettbewerb.

Peter Palese ist ein erfolgreicher Forscher. Der gebürtige Linzer ist wegen seiner Erfolge mit 72 Jahren noch immer Professor und Chairman-Ordinarius für Mikrobiologie an der Medical School, der Medizinerausbildung, des Mount Sinai Hospitals in New York. Das Krankenhaus ist eines des größten und angesehensten Spitäler in den USA.

"Wir machen nur Forschung", erzählt Palese dem KURIER. "85 bis 90 Prozent meiner Zeit verwende ich rein für Forschung. Das Departement, das ich aufgebaut habe, ist mit einem Budget von 50 Millionen Dollar und mit 170 Mitarbeitern auch für amerikanische Verhältnisse relativ groß." Zwei Drittel der Gelder kommen vom Staat, das restliche Drittel kommt großteils von Pharmafirmen, die hoffen, dass sie Medikamente entwickeln können.

"Haben viele Patente"

"Wir sind auf Viren spezialisiert, und da wieder auf Respirationsviren, also auf Viren, die mit dem Atmen und der Lunge zu tun haben. Ich selbst bin auf Grippeviren spezialisiert. Wir haben 14 verschiedene Forschungsgruppen. Wir beschäftigen uns auch mit Viren, die neu entstehen, wie zum Beispiel mit den Sika-Viren. Wir sind hier relativ führend. Wir arbeiten an Substanzen und Impfstoffen. Wir arbeiten mit Pharmafirmen zusammen und wir haben viele Patente, die in den USA den Universitäten gehören." Diese geben dann einen Teil an die Erfinder zurück. Palese persönlich verfügt allein über 60 bis 70 Patente. "Wir haben zum Beispiel einen Grippe-Impfstoff, den man nicht jedes Jahr verabreichen muss, sondern nur alle 20 Jahre oder nur ein Mal im Leben."

Palese ist in Linz aufgewachsen. "Ich habe am humanistischen Gymnasium auf der Spittelwiese maturiert. Das war eine ausgezeichnete Schule. So schlecht die Universität war, so gut war das Gymnasium." Er hat in Wien Chemie studiert, bei Professor Tuppy, dem späteren Wissenschaftsminister hat er promoviert. Er schloss ein Pharmaziestudium an, da seine Eltern die Hofstätter-Apotheke am Hauptplatz geführt haben. Dann kam er mit einem Stipendium von Hoffmann-La Roche nach New York. "Sei t meinem fünften Semester hatte ich eine volle Anstellung, zuerst als Assistent bei Tuppy. Mit 34 Jahren war ich hier Professor. Das wäre in Österreich nicht möglich gewesen."

Kann man Österreich mit den USA vergleichen? "In Österreich hat sich vieles verbessert, aber die USA sind auch nicht stillgestanden. Auf meinem Gebiet ist Amerika immer noch weit vorne, was man an der Zahl der Nobelpreisträger ablesen kann." Amerika sei im Bereich der biomedizinischen Forschung noch immer sehr, sehr gut. In Österreich sei es besser geworden, "aber es immer noch nicht die Schweiz".

Beispiel Massachusetts

Was sollte man tun? "Die neue medizinische Fakultät in Linz halte ich absolut für gut. Ich bin sehr dafür, ich weiß, da werden ein paar dagegen sein. Ich finde, man braucht den Wettbewerb. Im Bundesstaat Massachusetts kommt die Hälfte des Bruttoinlandprodukts durch Harvard und MIT (Massachusetts Institute of Technology). Harvard war zuerst da, dann kam das MIT. Jetzt rittern die beiden Universitäten gegeneinander."

Was ist der Eindruck, wenn Palese nach Österreich kommt? "Österreich ist ein wunderschönes Land zum Leben. Es ist sicher, es gibt wenig Kriminalität. Es gibt sehr viele gescheite Leute. Ich glaube schon, dass Österreich auf der richtigen Spur ist. Ich bin nun schon 46 Jahre weg, aber damals war es nicht so gut."

( kurier.at ) Erstellt am 12.02.2017