„Die Machtordnungen brechen zusammen“

David Steindl-Rast, Eremit
Foto: Privat David Steindl-Rast ist amerikanischer Benediktinermönch, Einsiedler, Spiritualitätslehrer, weltweit Vortragsreisender und 86 Jahre jung.

David Steindl-Rast: „Es ereignet sich etwas wie seit 6000, 7000 Jahren nicht mehr“

Der Einsiedler und Benektiner David Steindl-Rast ist wieder einmal zu Besuch im Europakloster Gut Aich bei St. Gilgen. Gemeinsam mit Abt Johannes Pausch hält der 86-Jährige, der 1952 in die USA ausgewandert ist, in der Fastenzeit eine Vortragsreihe. „Heilende Spiritualität“ war das Thema des ersten Abends. „Spiritualität ist Lebendigkeit“, erklärte er, „eine Lebendigkeit, die alles umfasst, das Leibliche, das Psychische, das Geistige.“

Spiritualität stehe in einer besonderen Beziehung zur Transzendenz, es gehe um Achtsamkeit in der Gottesbeziehung. Heilen bedeutet für den hageren Mönch mit der starken Ausstrahlung zu sich selbst zu finden, „weil in uns selbst das göttliche Selbst ist.“

Achtsamkeit

Was den Menschen heile, sei Achtsamkeit. Die Frage, was bin ich wirklich, führe zu einem sinnerfüllten Leben. Was auch heile, seien Beziehung und Berührung. Letztlich sei es das Vertrauen, das heile.

Um das Thema Gott drehte sich der zweite Vortrags- und Diskussionsabend am Freitag. Kritisch äußerte sich der Benediktiner über den Zustand der römisch-katholischen Kirche. „Viele Menschen lieben Jesus, hassen aber die Kirche. Es muss sich etwas ändern. Die Kirche steht für viele Menschen nicht mehr für das, was Gottes Wille ist.“ Es sei das große Malheur gewesen, dass die Kirche unter dem römischen Kaiser Konstantin 313 n.Chr. zur Staatskirche gemacht worden sei. Aus Protest seien die Mönche in die Wüste gegangen. Die Klöster seien zu Orten geworden, wo die Menschen versucht hätten, das Reich Gottes zu verwirklichen: gewaltfrei, egalitär (alle sind gleich, ohne Hierarchie und Rangordnung) und in Solidarität (die Gemeinschaft teilt alles).

Steindl-Rast ist überzeugt, dass wir in einer Zeitenwende leben, „dass sich derzeit etwas ereigne, was sich seit 6000, 7000 Jahren nicht mehr ereignet hat. Diese Machtordnung bricht zusammen. Dadurch hat das Reich Gottes neue Chancen durchzubrechen.“ Auf die Frage, wann das Reich Gottes anbreche, habe Jesus stets geantwortet: „Jetzt, hier im Moment.“

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(kurier) Erstellt am
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