Blick vom Loser auf das Ausseerland, links der Altausseersee

© Josef Leitner

Chronik Oberösterreich
08/06/2019

Die Krone des Ausseerlandes: der Loser

Der 1838 m hohe Loser ist das Wahrzeichen des Ausseerlandes. Eine Rundwanderung zu den vier Gipfeln des Loser-Massivs, das einzigartige Ausblicke bietet.

Riesige hochaufragende Türme gruppieren sich um einen idyllischen Bergsee, der wie ein Kristall in der Sonne funkelt. So wird der Besucher bei der Loser-Alm auf 1.600 Metern begrüßt. Die neun Kilometer lange Loser-Panoramastraße hat uns von Altaussee mitten in diese Titanenlandschaft geführt.

 

Korallenriff

Wir befinden uns auf den westlichen Ausläufern des Toten Gebirges, dem größten zusammenhängenden Kalkstock Europas, der vor 220 Millionen Jahren ein tropisches Korallenriff war. Hier zeigt es sich allerdings auch von seiner idyllischen Seite. Wir blicken auf den Kegel des Atterkogels (1.826m), der uns seine grüne Südseite zeigt. Sein Spiegelbild in der glatten Oberfläche des fast bewegungslos ruhigen Augstsees ist fast so prächtig wie der echte Berg.

Üblicherweise versickert das Regenwasser im Toten Gebirge in den wasserdurchlässigen Untiefen des Kalkgesteins. Den Grund, warum hier überhaupt ein See existieren kann, kennt der Betriebsleiter der Loser Bergbahnen, Florian Loitzl: „Durch jahrtausendelange Ablagerung von Sedimenten bildete sich eine wasserundurchlässige Schicht. So kann der See das ganze Jahr seinen Wasserspiegel gleich hoch halten.“

 

Uns Besucher kann das nur freuen. So begeben wir uns auf den Höhenweg in Richtung des ca. 200 m höheren Losergipfels und machen Halt bei einem Durchblick durch ein mehrere Meter hohes Felsenfenster. Die Rast auf der Bank vor diesem spektakulärem Loserfenster bringt Entspannung und malerische Panoramablicke auf den Schönberg und die sich unter einem gewaltigen Felsabbruch erstreckenden Nordwände.

 

Wir lassen das einmalige Naturschauspiel hinter uns und setzen den Höhenweg über den Latschengürtel fort, der immer wieder durch Gruppen von Almrausch und dem blauen Eisenhut optisch angereichert wird. Eine gigantische Felsenplatte zieht unsere Blicke an. Inmitten einer grünen Senke, dem Loserboden, blitzt der letzte Schnee aus kreisrunden Dolinen-Vertiefungen herauf.

 

Schließlich erreichen wir die Plateauhochfläche des Losergipfels auf 1.838 m. Wie eine Krone erheben sich die scharfen Kalkklippen des Losergipfels über die vom Gletscher abgeschliffenen Hänge. Wir teilen den fast unbegrenzten Panoramablick auf die Gipfel des Toten Gebirges mit einer Klettergruppe, die gerade den herausfordernden Loser-Klettersteig in 1 ½ Stunden bezwungen hat.

 

Fast das gesamte Salzkammergut, Grimming, Dachstein, Niedere und Teile der Hohen Tauern liegen vor uns. Tief unter uns leuchtet der Altausseer See herauf. Er hat keinen ganzjährigen oberirdischen Zufluss, sondern wird durch Karstquellen gespeist, die unterhalb der Seeoberfläche münden. Auch das Wasser des Augstsees strömt über das Schluckloch der Doline in das Karstsystem und trägt zur Wasserversorgung des Altausseer Sees bei.

Losen heißt hören

Der Name Loser kommt vom Dialektwort losen, also hören. Es gibt zwei Interpretationen. Die eine sagt, dass Nachrichtenüberbringer auf den Berg gestiegen sind, um zu hören, ob die Truppen Napoleons im Ennstal bereits im Anmarsch sind. Die anderen wollen wissen, dass die Hirten hochgegangen sind, um einen Überblick über ihre Schafe zu haben.

 

Wieder zurück am tiefblauen Augstsee vorbei passieren wir den sanften Höhengrad zwischen den beiden Gipfeln Greimuth und Atterkogel. Dieser zeigt uns seine senkrechte Nordwand. Nicht glatter Fels, sondern wie eine von Riesenhänden aus Steinziegeln gemauerte Felsenwand. Eine besondere geologische Formation, zu der sich fantastische Märchengeschichten von versunkenen Reichen erfinden lassen würden. Schließlich liegt der Gipfel des Bräuningzinkens (1899 m) vor uns, der vierte und höchste Gipfel des Loser-Massivs. Auch seine Nordflanke ist furchterregend steil abfallend. Zu seinen Füßen dehnt sich die grüne Senke der Bräuning Alm aus.

 

Die braungefleckten Tiere einer großen Rinderherde haben sich friedlich zu einer kompakten Gruppe zusammengefunden. Die sanften Almmatten im Vordergrund stehen in deutlichem Kontrast zu den rauen und felsigen Flächen dahinter. Mehrere kleine Alm- und Jagdhütten schmiegen sich in eine bizarre Erlebnislandschaft.

Ein wahrer Geo-Erlebnispfad lädt zum Flanieren ein. Die Skulpturen eines fantastischen Realismus, die von einem Künstler wie Salvador Dali stammen könnten, bilden zahlreiche Geländestufen und Abbrüche. Nach vier Stunden und vier Gipfeln endet diese außergewöhnliche Bergrunde am blauen Augstsee.

Autor: Josef Leitner