© Karl Lindorfer

Chronik Oberösterreich
03/03/2012

Die Deutschen lieben das Innviertel

Günstigere Grundstückspreise locken Bayern in den Bezirk Schärding.

von Daniel Voglhuber

An Wochenenden sind Parkplätze in Schärding Mangelware. Am bunten barocken Stadtplatz reihen sich inmitten der Silberzeile die Autos mit bayerischen Kennzeichen. Die Innviertler Bezirkshauptstadt ist bei den deutschen Nachbarn ein beliebtes Ausflugsziel. Das weitum bekannte „Wirtshaus zur Bums’n“ oder das Kaffeehaus in der Orangerie nahe des Inns sind begehrte Einkehrplätze. Anders als noch vor zwanzig Jahren, als die Österreicher ins benachbarte Passau zum Einkaufen gefahren sind, machen die Deutschen nun hier ihre Erledigungen. Und auch die höheren Treibstoffpreise in der Bundesrepublik veranlassen viele zu einem Abstecher über den Inn, um den Tank aufzufüllen.

Wohnort

Doch nicht nur als Ausflugs- und Einkaufsziel haben die Bayern Schärding gern. Immer mehr suchen sich den Bezirk als Wohnort aus. Besonders in den Gemeinden rund um Passau, der größten Stadt Niederbayerns, haben sie ihre Zelte aufgeschlagen. Spitzenreiter mit den meisten deutschen Staatsbürgern im Gemeindegebiet ist Freinberg direkt an der Grenze. Laut Statistik Austria leben im Ort 276 deutsche Staatsbürger. Bei einer Gesamtbevölkerung von 1493 Einwohnern macht das stolze 18,49 Prozent. „Für uns sind das keine Ausländer, sondern Freinberger“, sagt der Ortschef Anton Pretzl. „Das ist immer schon so gewesen, dass die Menschen hin- und hergezogen sind, auch bevor die Grenzkontrollen weggefallen sind.“

Arbeitsplatz

Viele seiner Gemeindebürger würden in die Dreiflüssestadt, insbesondere zur 4000 Mitarbeiter beschäftigenden Zahnradfabrik ZF pendeln. „Aber durch die Firma Schwarzmüller (Hersteller von Nutzfahrzeugteilen in Freinberg Anm.) kommen auch viele zu uns.“ Im benachbarten Schardenberg haben neben dem Studentenheim, in dem 300 junge Menschen fast ausschließlich aus Deutschland wohnen, 214 Bundesbürger ein Zuhause gefunden. Angeblich wegen der günstigen Baugründe. „Bei uns kostet der Quadratmeter zwischen 20 und 50 Euro. Am Passauer Stadtrand sind es zwischen 150 und 200 Euro“, erklärt Schardenbergs Bürgermeister Josef Schachner. „Viele sagen, bei uns sind die Behördengänge einfacher.“ Außerdem mache es einen großen Unterschied, ob jemand in Passau auf das Stadtamt gehe oder in das Büro einer Landgemeinde, wo man gleich Kontakt mit dem Ortsoberhaupt habe.

Mentalität

Zu einem Kampf der Kulturen zwischen den Innviertlern und den Bayern komme es im Grenzbereich nicht. „Von der Mentalität her gibt es kaum Unterschiede“, erklärt Martin Friedl, der Bürgermeister von Vichtenstein. In seiner Gemeinde leben 91 Deutsche, das sind 13 Prozent der Gesamtbevölkerung. Und auch in Esternberg besitzen 127 Einwohner die deutsche Staatsbürgerschaft. Allerding seien das meist keine neu Zugezogenen, erzählt Bürgermeisterin Irmgard Wirth. Ein Großteil von ihnen wohne schon ewig hier. „Bei vielen wissen die wenigsten, dass sie Deutsche sind.“

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