Chronik | Oberösterreich
24.09.2017

"Dialog muss nicht populistisch werden"

Mit Geächtet startet heute ein gesellschaftskritisches Theaterstück in den Kammerspielen.

"Dialog muss nicht populistisch werden." Davon ist Peter Wittenberg überzeugt. Der gebürtige Hamburger setzte das heute, Sonntag, 19.30 Uhr in den Kammerspielen des Linzer Landestheaters anlaufende Theaterstück Geächtet in Szene.

Wittenberg spielt mit seiner Aussage auf die aktuelle politische Situation in Europa und in Amerika an. Beschränkungen in Bezug auf die Einwanderung würde die hinter der Migration liegenden Probleme nicht lösen. "Das Stück zeigt uns, dass es keinen idealen, geradlinigen Weg gibt", sagt Wittenberg. "Wichtig ist, die eigene kulturelle Identität nicht zu verleugnen und gleichzeitig dem anderen gegenüber neugierig zu bleiben." Der Weg des gegenseitigen Verstehens sei zwar komplex, aber essenziell.

Dramaturg Franz Huber bezeichnet Geächtet als "Stück der Stunde". Es nehme Themen auf, die jetzt in Europa brennen wie die Einwanderungspolitik oder kulturelle und religiöse Identität, Unterschiede und Gemeinsamkeiten. "Weiters bringt es diese ernsthaften Themen witzig, skurril und mit Leichtigkeit an die Öffentlichkeit, fährt aber durch das Miterleben der Dialoge ein", erzählt Huber. Ein spannendes Detail sei, dass die Geschichte zehn Jahre nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center spielt.

Stückinhalt im Detail

Amir Kupoor, amerikanischer Jurist pakistanischer Abstammung, steht im Spätsommer 2011 kurz vor einem Karrieresprung als Partner einer erfolgreichen jüdischen Anwaltskanzlei. Verheiratet ist er mit Emily, einer von der islamischen Kunst beeinflussten protestantischen Künstlerin. Ein ursprünglich als Freundschaftsdienst gedachtes Mandat, über das die New York Times berichtet, hat fatale Folgen für Amir. Bei einem Abendessen mit dem jüdisch-amerikanischen Kurator Isaac und dessen afroamerikanischen Frau Jory, Amirs Arbeitskollegin, scheint die Lage schließlich zu eskalieren. Das anfänglich lockere Gespräch endet in einer hitzigen Diskussion über soziale, kulturelle und religiöse Identität. Die Frage nach dem Ursprung von religiösem Fundamentalismus, Selbsthass und heimlichem Stolz bei Terroranschlägen kommt auf. Die Situation eskaliert, als Amir von der Affäre seiner Frau mit Isaac erfährt, was die Trennung von Amir und Emily zur Folge hat. In der Zwischenzeit hat sich Amirs Neffe radikalisiert und spricht von Problemen mit dem FBI.

Der amerikanische Autor Ayad Akhtar wurde 2013 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet. Aus einer Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute ging das 2012 geschriebene Stück Geächtet als bestes ausländisches Stück 2016 hervor.