Der Nepp mit der Liebe

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Foto: drubig-photo/Fotolia Die Suche nach Liebe ist oft nicht einfach

Der Konsumentenschutz der Arbeiterkammer will Parship klagen.

"Alle elf Minuten verliebt sich ein Single über Parship." Mit diesem Slogan wirbt die Onlinedating-Plattform um Menschen, die auf der Suche nach der großen Liebe sind. Das Abo für sechs Monate kostet 270 Euro.

Unbegrenztes Kommunizieren mit Kontaktgarantie wird dabei von Parship versprochen. Das verrät der Werbespot, der gerade in vielen Medien präsent ist. Auf die automatische Vertragsverlängerung wird nicht hingewiesen. Deshalb gerät die Onlinedating-Plattform immer öfter in die Kritik. Wer vergisst, seinen Vertrag fristgerecht zu kündigen, bekommt stillschweigend einen neuen. Dieser läuft dann ein Jahr, auch wenn vorher lediglich sechs Monate gebucht wurden.

Heuer 50 Beschwerden

"Im ersten Halbjahr 2017 kamen in Oberösterreich 50 dokumentierte Beschwerdefälle gegenüber Parship auf", sagt Ulrike Weiß vom Konsumentenschutz der oberösterreichischen Arbeiterkammer. "Bis jetzt wurden die meisten Beschwerdefälle zugunsten des Klägers entschieden. Je besser die Beweislage, umso größer sind die Erfolgschancen vor Gericht." Darüber hinaus sei in Österreich eine Vertragsverlängerung an strenge Voraussetzungen geknüpft, erklärt Weiß. Eine Klausel im Vertrag reiche nicht aus. Die Konsumenten müssen rechtzeitig auf die automatische Verlängerung hingewiesen werden. "Unser Ziel ist es, Parship dazu zu bewegen, die automatische Vertragsverlängerung zu streichen." Die Arbeiterkammer bereitet deshalb eine Verbandsklage gegen die PE Digital GmbH vor. Der Konzern betreibt die Plattformen Parship und Elite Partner.

Wer von Amors Pfeil getroffen wurde, braucht Onlinedating-Plattformen nicht mehr und ein Vertragsausstieg dürfte deshalb auch kein Problem sein. Es gibt auch Menschen, die mit Parship nicht zufrieden sind und deshalb kündigen wollen. Eine frühzeitige Kündigung kommt aber teuer, denn das Unternehmen behält sich einen Wertersatz ein. Der Kunde muss also für die bereits genutzten Leistungen an die Onlinedating-Plattform bis zu drei Viertel des Gesamtpreises bezahlen.

Wertersatz

"Parship verteidigt diese Vorgehensweise mit der vereinbarten Kontaktgarantie. Kamen fünf der garantierten Kontakte zustande, wird der höchste Wertersatz in Höhe von 75 Prozent des Gesamtpreises verrechnet. Bei zwei Kontakten würde dies noch immer einen Wertersatz von 40 Prozent des Gesamtpreises bedeuten", erklärt Weiß.

Wegen überhöhter Wertersatzforderungen laufen in Oberösterreich gerade zwei Klagen gegen Parship, so Weiß. "Wir haben die Ausfallshaftung für zehn Betroffene übernommen, sollte das Unternehmen die geforderten Beträge einklagen." Da ein zu hoch bemessener Wertersatz in Österreich illegal ist, rät Weiß nicht zu zahlen, denn "Geld, das weg ist, ist weg".

Eingeschriebener Brief

Vertragskündigungen sollen aus Beweisgründen immer mit eingeschriebenem Brief erklärt werden, rät Weiß. Für den Fall, dass der Vertrag ungewollt verlängert wurde oder der Wertersatz zu hoch erscheint, hat die Abteilung Konsumentenschutz der Arbeiterkammer ein Informationsblatt auf ihre Homepage gestellt. "Bereits 242 Personen haben die Info herunter geladen."

Am Dienstag bat der KURIER Parship um eine Stellungnahme. Diese ist bis heute nicht eingetroffen.

(kurier) Erstellt am
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