Der Marshall-Plan wirkt heute noch

Eugene S. Young (2.v.re.) und Josef Weißl (re.) © Bild: Marschall Plan/Stephan Natschlaeger

Ausstellung. Das European Recovery Program feiert den 70. Geburtstag.

Selbst Eugene S. Young, Geschäftsträger an der US-Botschaft in Wien, weiß es: "All start’s here in Upper Austria. In Linz beginnt’s." Die Oberbank war die erste Bundesländer-Bank, die ERP-Kredite an Firmen vergab. So war es naheliegend, dass die oberösterreich-amerikanische Gesellschaft Dienstagabend zur Eröffnung der Ausstellung 70 Jahre Marshall-Plan in die Oberbank an der Linzer Donaulände einlud. Anhand mehrerer Schautafeln mit Bildern, Erläuterungen , Zitaten und Redeausschnitten wird das zeitgeschichtliche Geschehen erläutert.

US-Außenminister George C. Marshall, ein ehemaliger Fünf-Sterne-General, hatte am 5. Juni 1947 vo r der Absolventenklasse der Harvard-University eine 12 Minuten kurze, historische Rede gehalten, bei der er das US-Programm zum Wiederaufbau Europas (European Revocvery Program-ERP) vorstellte. Von 1948 bis 1952 erhielten 16 europäische Länder rund 12,4 Milliarden Dollar. Das Geld hatte drei Ziele: Hilfe für die hungernde Bevölkerung Europas, Eindämmung der Sowjetunion und des Kommunismus und die Schaffung eines Absatzmarktes für die Überproduktion der USA. Marshall wurde 1953 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

"Umgelegt auf die Bevölkerungsanzahl war Österreich das am zweitstärksten geförderte Land", erklärte Young in seinen Erläuterungen. Obwohl die Nachkriegszeit längst vorbei ist, gibt es die ERP-Kredite heute noch, rund 600 Millionen werden jährlich in Österreich an langfristigen Krediten zu günstigen Zinsen vergeben. An oberösterreichischen Unternehmen, die von ERP-Krediten profitiert hätten, nannte Young Ski Fischer, die voestalpine, Lenzing, JOKA in Schwanenstadt oder EVP in St. Florian bei Schärding. Weiters verwies er auf das Fulbright-Programm für Studien-Aufenthalte an US-Universitäten. Aber nicht nur Österreich haben vom Marshall-Programm profitiert, sondern ganz Europa und die USA auch selbst. Er nannte hier die Investitionen der voestalpine in Texas. "Es ist ein Beispiel schlechthin für die gelungene Zusammenarbeit."

Oberbank-Vorstand Josef Weißl, auch Vorsitzender der oberösterreichisch-amerikanischen Gesellschaft, unterstrich die Wichtigkeit der ERP-Kredite. "Solche Lichter waren damals von besonderer Bedeutung. Die Überschrift nach dem Krieg war, wir schaffen das." Heute sei ein gesellschaftlicher Trend feststellbar, der laute, ich zuerst. Aber dieses Motto habe historisch nie zu guten Ergebnissen geführt. "Bei den ERP-Krediten ging es nicht um das größte Stück Kuchen für den Einzelnen, sondern darum, dass möglichst viele davon profitieren."

Unter den Gästen war auch die ehemalige Staatssekretärin Beatrix Eypeltauer. Die Oberbank war weiters durch Prokurist Gerald Weidenauer und Direktor Günther Ott vertreten, die Austrian Marshall Plan Foundation durch Markus Schweiger.

( kurier.at ) Erstellt am 11.02.2018