Chronik | Oberösterreich
26.11.2017

Der Kalchgruber versteckte sich im Fliehloch

Der Zeitenweg präsentiert auf zwölf Stationen 900 Jahre Geschichte.

Wie eine Festung ragt die Wenzelskirche in Wartberg zwischen den Flüssen Kleine Gusen und Feldaist aus dem herbstlichen Nebelmeer. Sie ist eine von drei gotischen Kirchen der kleinen Marktgemeinde. Und eine sehenswerte Station des vom Ortszen trum ausgehenden " Zeitenweges". Benannt ist dieser nach dem Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung der gotischen Pfarrkirche: "W1111".

Vater des Mühlviertels

Über 900 Jahre Geschichte werden in zwölf Stationen dargestellt und lebendig gemacht. Ein mächtiger Granitblock vor der Wenzelskirche erinnert an Johann Blöchl. Josef Bauer, Mitautor am umfassenden Wartberger Heimatbuch, erzählt: "Als Leiter der Zivilverwaltung in der Zeit der russischen Besatzung hat Blöchl in geschickten Verhandlungen für ein freies und neutrales Österreich gekämpft. Das hat ihm den Ehrentitel Vater des Mühlviertels eingebracht". Die dritte im "gotischen Bund" ist die aus dem 9. Jahrhundert stammende Michaelskapelle, in deren Untergeschoß sich die Gruft der Familie Starhemberg befindet. Viel Kunstgeschichte auf engem Raum.

Das Fliehloch

Ein besonderes kulturhistorisches Ziel liegt am Wanderweg Nr. 5, dem Kalch gruberweg. Die sieben Kilometer-Stecke lässt sich durch einige Autominuten abkürzen. Beim Bauernhof "Himmler-Stegfellner" geht es jedenfalls auf dem einstündigen Rundweg zu Fuß weiter. Ein Steig führt zu einer versteckt liegenden Höhle, dem " Fliehloch". Ein leichter Schauer überkommt den Besucher beim Betreten des niedrigen Eingangstunnels. Man versteht, dass die Erbauer dieser unterirdischen Behausung deutlich kleiner gewachsen waren als wir es heute sind. Eine Taschenlampe leistet unverzichtbare Dienste und weist den Weg zu mehreren Räumen. Diese dienten als Kultstätte, aber auch als Versteck- und Zufluchtsort und sind seit 800 Jahren nahezu unverändert. Einer der Schutzsuchenden soll auch der Bauernadvokat Michael Huemer (1777-1849) – genannt der "Kalchgruber" – gewesen sein. Er hat die leibeigenen Bauern bei Streitigkeiten mit der Grundherrschaft rechtlich beraten und wurde von der Obrigkeit verfolgt und steckbrieflich gesucht.

Gruber Hügel

Jetzt ist der Ort verlassen und friedlich. Wieder in der frischen Waldluft atmet es sich jedoch viel freier und so fällt einem der Anstieg zum Gruber Hügel mit seinen 377 Höhenmetern nicht schwer. Sein Gipfelkreuz lädt schon von weitem zu einem entspannten Rundblick in die umliegende herbstliche Mühlviertler Landschaft.

Autor Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Kultur und Natur