© KURIER/Franz Gruber

Leben
11/01/2014

Das Endziel der Geburt ist der Friedhof

Wir sollten uns bewusst sein, dass das Leben unbeständig ist, sagt der Arzt Lobsang.

von Josef Ertl

Wir wollen immer mehr und verlieren dabei sowohl die menschliche Qualität als auch die Realität aus den Augen. Wir glauben, dass wir 1000 Jahre alt werden, dabei ist das Endziel der Geburt der Friedhof." In dem Moment, in dem der Mensch geboren werde, beginne das Leid. Der tibetische Arzt Lobsang Shresta, der weltweit unterwegs ist und zwei Mal jährlich auch nach Linz kommt, meint, die Menschen sollten sich der Unbeständigkeit des Lebens bewusst sein.

Ein Leben wie Ameisen

Viele würden ein Dasein wie Ameisen führen, ein "Leben voller Stress, Anspannung und Unzufriedenheit". Dieser wilde, ungezügelte Geist sei niemals zufrieden und mache die Menschen unglücklich. Ein Geist ohne Selbstkontrolle sei wie ein Pferd ohne Zügel.

"Wir sollten uns bewusst sein, auf welch hohem Lebensstandard wir leben. Wir sollten mit den Problemen glücklich leben", sagt Lobsang, der ursprünglich aus einer tibetischen Adelsfamilie stammt. "Wir waren eine ganz reiche Familie und wurden von den Chinesen rausgeworfen. Als Neunjähriger lebte ich auf der Straße." Im Leben sei alles unsicher.

Ziele nicht erzwingen

Man sollte durchaus versuchen, Ziele zu erreichen, aber man sollte sie nicht erzwingen. "Das verursacht Stress und Spannung. Die Qualität des Lebens ist dann weg, wenn wir übertreiben und uns überfordern." Die Qualität des Lebens ab dem Alter von 65 hänge von der Qualität des Aufstiegs vom 35. bis zum 55. Lebensjahr ab. Wer sich während des Aufstiegs schwere Schäden zufüge, bekomme später die Rechnung serviert. Im Alter von 65 bis 80 seien Zufriedenheit und Wertschätzung das Beste, was man tun könne. "Ich habe Mutter Teresa zwei Mal persönlich getroffen. Obwohl sie alt war, hat sie nie geklagt. Sie war voller Energie und Achtsamkeit, ihr Geist voller Weisheit. Das bedeutet ein sinnvolles Leben."

Wie könne der Mensch ein langes, gesundes und glückliches Leben führen? "Gott wird nicht helfen, wenn man selbst nichts tut. Er gibt einem die Energie, die Dinge in die Hand zu nehmen." Spiritualität bedeute, die Energie zu haben, Regeln und Lehren einzuhalten. Man solle ein harmonisches, friedliches Leben führen, er selbst streite beispielsweise nie mit seiner Frau. "Wenn man Liebe und Respekt voreinander hat, hat man auch die Geduld für den anderen."

Essen gibt Energie

Die Lebensenergie hänge von der Ernährung ab. Man solle langsam und mit Freude essen und sich Zeit dafür nehmen. Gott habe dem Menschen die Zähne aus zwei Gründen gegeben: Um die Nahrung gut zu kauen und den Mitmenschen ein Lächeln zu schenken. Man solle die Nahrung an die Tageszeit und an die Saison anpassen und Wert auf die Qualität legen. Untertags wenig und abends wenig zu essen sei falsch. Denn da laufe der Körper auf Hochtouren. Abends sollte man nur Leichtes essen. Vom Bierkonsum rät Lobsang ab. Er führe bei den Männern im Alter zu Prostataproblemen.

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