Chronik | Oberösterreich
11.02.2018

Bund kürzt Gelder für Oberösterreichs Fachhochschulen um bis zu 1,5 Mio. €

Obwohl Techniker dringend gesucht werden, wird bei ihnen am stärksten gekürzt.

Während sich die Bundesregierung damit brüstet, für die Universitäten 1,38 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, werden gleichzeitig die Gelder für die Fachhochschulen reduziert. Mit Beginn 2019 wird die Förderung für einen Studienplatz mit einem Technikanteil von mindestens 50 Prozent von 8850 auf 8600 Euro gekürzt, bei Plätzen in Studiengängen mit einem Technikanteil von mindestens 25 Prozent von 7550 auf 7420 Euro und bei allen anderen Studiengängen von 6970 auf 6850 Euro. "Das ist eine Reduzierung von rund einer bis eineinhalb Millionen Euro", erläutert Gerald Reisinger, Geschäftsführer von Oberösterreichs Fachhochschulen, an denen rund 5900 Studenten studieren. "Ich frage mich, warum wird überhaupt reduziert und warum bei den technischen Studienrichtungen am stärksten?" Gerade Oberösterreichs Industrie benötigt dringend die Absolventen. Das fehlende Geld muss nun vom Land Oberösterreich aufgebracht werden, denn die Finanzierung der Studienplätze ist folgendermaßen aufgeteilt: 51 bis 52 Prozent Bund, sechs Prozent die Standortgemeinden Linz, Wels, Steyr und Hagenberg, die restlichen 41 bis 42 Prozent werden vom Land übernommen. Das Land verlangt nun mit Beginn des Sommersemesters von den Studenten eine Studiengebühr von 363 Euro.

67 Studiengänge

Die Fachschulen requirieren selbst durch Aufträge aus der Wirtschaft rund 22 Millionen Euro. Sie führt 67 Studiengänge durch, davon sind elf Englischsprachig. 750 Studenten kommen aus anderen Ländern. Ab dem Herbst gibt es sechs zusätzliche Studiengänge: Automotive, Logistik, Robotik, Agrar und Medizintechnik. Im Österreich-Vergleich ist die FH OÖ mit 356 Projekten und 429 wissenschaftlichen Publikationen von insgesamt 210 Vollzeit-Mitarbeitern Spitzenreiter.

Die Diskussion um einen weiteren Fachhochschulstandort in Ried im Innkreis sieht Reisinger skeptisch. "Man braucht dafür mindestens 1000 Studenten. Die Infrastruktur kostet ein Vermögen. Man müsste sie in Ried neu aufbauen. Allein in Wels stecken hier locker 100 Millionen Euro drinnen."

Reisinger will von der Strategie stärker in die duale Ausbildung gehen. Es soll eine stärkere Wechselwirkung zwischen der Tätigkeit im Berufsleben und dem Studium geben. Einzelne Ausbildungsabschnitte sollen in Firmen ausgelagert werden.

Pilotfabrik gemeinsam mit Hofer

Ein neuer Studiengang ist das "Digitale Transport- und Logistikmanagement". Hier geht es vereinfacht gesagt um das Physical Internet. Der stationäre Handel gerät durch Amazon und andere Internet-Händler immer stärker in die Defensive. Die Innovationen sind enorm. Der Kunde kann zum Beispiel über eine App einkaufen, im Hintergrund gleichzeitig bezahlen und wenn er nach Hause kommt, steht schon die Ware, angeliefert von einer Drohne, bereits vor der Haustür. "Wir werden gemeinsam mit Hofer in Eberstalzell eine Art Pilotfabrik aufbauen, wo wir die Ausbildung und Forschung auslagern. "

In der Lehre geht für Reisinger es in zwei Richtungen: in einen moderaten Ausbau, die technischen Studiengänge werden weiterhin der Schwerpunkt sein. Das zweite große Thema sind die dualen Studiengänge. Es gehe darum, nonformales Wissen mit formalem Wissen gleichzustellen. Ist die Meisterprüfung des Meisters gleichwertig dem Master auf der Universität, Ist eine HTL-Matura Bachelor-wertig? Diese Diskussion hat ihre Wurzeln im europäischen Qualification-Framework. Reisinger: "Wir müssen wegkommen von den formalen Abschlüssen und die persönlichen Entwicklungspfade anerkennen. Wir stehen am Anfang dieser Diskussion."