Braunau: Selbstmordgefahr bei Ivan D.

Der 17-jährige Tatverdächtige bekundet Suizidabsichten. Sein Rechtsanwalt vermutet eine schwere psychische Erkrankung.

Das Rätsel um das Motiv für die tödliche Messerattacke auf einen 16-jährigen Schüler in Braunau bleibt auch mehr als eine Woche nach der Tat weiter ungelöst. Der Salzburger Rechtsanwalt Franz Essl hat den Tatverdächtigen Ivan D. am Dienstag in der Inquisitenabteilung des LKH Schärding besucht. "Er ist völlig fassungslos über das, was ihm vorgeworfen wird, und er kann sich nicht vorstellen, dass er Sebastian diese Stiche zugefügt hat."

Der 17-Jährige wirke apathisch und äußere Selbstmordabsichten. Essl: "Ich mache mir um ihn große Sorgen." Er vermutet eine schwere psychische Erkrankung. Der junge Mann soll seit Jahren an Depressionen leiden. "Als 15-Jähriger war er mehrere Monate stationär in der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg untergebracht und hat deshalb ein Schuljahr verloren." Vor Kurzem sei er deswegen auch in der Linzer Landesnervenklinik Wagner-Jauregg behandelt worden. Essl: "Bis zuletzt musste er regelmäßig Psychopharmaka einnehmen." Die Eltern hätten darauf geachtet, dass er die Medikamente zeitgerecht einnimmt.
Essl schließt nicht aus, dass Ivans Depressionen erblich bedingt sein könnten. "Auch seine Großmütter sind schwermütig."

Körperlich gehe es seinem Mandanten nach dem Suizidversuch am Tatort inzwischen deutlich besser. Wie berichtet, soll sich Ivan D. mit einem Küchenmesser tiefe Schnittwunden am Arm und am Bauch zugefügt haben. "Ich rechne damit, dass er das Spital noch im Laufe der Woche verlassen kann und in die Justizanstalt Ried verlegt wird." Der Anwalt geht davon aus, dass die Haftprüfung spätestens Anfang nächster Woche stattfindet.

Gutachten

Ivans Oma bestätigt Depressionen
© Bild: KURIER/Raffaela Lindorfer

Essl drängt auf eine fundierte psychiatrische Betreuung des 17-Jährigen. "Er ist selbst Opfer seiner schweren psychischen Erkrankung." Der junge Mann schaue ihn mit großen Augen an und erkläre immer, dass er sich an nichts erinnern könne. In den nächsten Tagen soll Ivan vom Salzburger Gerichtspsychiater Ernst Griebnitz begutachtet werden.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011