Chronik | Oberösterreich
14.01.2018

Basilika von Lorch steht auf römischem Haus

In Lauriacum erlebt der Besucher eine Zeitreise über 2000 Jahre Geschichte.

Wer suchet, der findet. Manchmal aber nicht das, wonach er gesucht hat. So erging es den Archäologen, die ab 1960 unterhalb der Basilika von Lorch die Überreste eines römischen Tempels vermuteten. Stattdessen entdeckten sie die Grundmauern eines vornehmen römischen Hauses aus dem zweiten Jahrhundert.

Mit schier unerschöpflichem Wissen und vielen Anekdoten aus seinem Leben begleitet Alfred Hudec unsere Geschichtsreise. Er ist der Doyen der Ennser Stadtführer – und das seit über 50 Jahren. "In frühchristlicher Zeit wurde das römische Haus durch einen Versammlungsraum erweitert und schließlich im vierten Jahrhundert zu einer Kirche ausgebaut. Der Hl. Florian ist wohl der bekannteste Märtyrer in dieser Zeit."

Wenig Tageslicht dringt in das wegen ihrer besonderen Vergangenheit zur Basilika erhobenen Gotteshaus. Die mystische Atmosphäre erleichtert das Sich-Versenken in die alten Zeiten. Als Jugendlicher hat Hudec miterlebt, wie der ganze Kirchenboden entfernt und die darunterliegenden antiken Reste geborgen wurden. Diese sind in der Unterkirche zu bestaunen: Eine gut erhaltene Hypokausten-Heizung und eine steinerne Votivtafel, die dem römischen Genius (Schutzgeist der Zweiten Italischen Legion) gewidmet ist.

Im weitläufigen Kirchenkeller erregt ein Sarkophag des damaligen Landeshauptmanns Bernhard von Scherffenberg aus dem Jahr 1513 besondere Aufmerksamkeit: Darauf sind neben dem Verblichenen auch die Tiere dargestellt, die den sterblichen Leib in den Naturzustand zurückverwandeln sollen. Besonders markant zu sehen: An der Stelle, wo sich das "Heiligtum des Mannes" befindet, sitzt ein Frosch. Er symbolisiert die Abwehr des Bösen und erinnert daran, dass der Verstorbene Kinder gezeugt hat. Wieder die Basilika verlassend, besticht das vom gehörlosen Bildhauer Peter Dimmel gestaltete Portal, das einfühlsam bilderbuchartig die Vita des Hl. Florian darstellt. Ein eindrucksvolles Zeugnis moderner Kunst, das den alten Meistern ebenbürtig ist.

Bevor die 2000-jährige Zeitreise zu Ende geht, fällt der Blick auf die Ecce-Homo-Gruppe, die am neben der Basilika befindlichen Karner angebracht ist. Die Frage taucht auf: Warum wird Pontius Pilatus als Türke dargestellt? Unser kundiger Führer weiß die Antwort: Diese Figurengruppe wurde unmittelbar nach dem Türkenangriff von 1683 angebracht. Damals wurde der aus christlicher Sicht ohnedies schon böse römische Statthalter doppelt schlecht – nämlich als Türke mit Turban – dargestellt.

Autor Josef Leitner ist Unversitätslektor und besucht interessante Plätze der Kultur und Natur