Chronik | Oberösterreich
21.01.2018

Auf der Suche nach der wahren Liebe

Der Kabarettist startet mit seinem neuen Programm "Ein Sommer wie damals".

Peter Gahleitner ist hauptberuflich Landesbediensteter, zuständig für den Strafvollzug. Seit fünf Jahren ist er auch erfolgreicher Kabarettist. Der 55-jährige Riedauer startet nun mit seinem neuen Programm "Ein Sommer wie damals". Termine: Kopfing (27. 1.), Munderfing (8. 2.), Aistersheim (15. 2.), Andorf (22. 2.), St. Ägidi (17. 3.), Dorf/P. (11. 4.), Waidhofen/Y. (12. 4.), St. Johann/W. (27. 4.).

KURIER: "Ein Sommer wie damals" klingt nach Sentimentalität.

Peter Gahleitner: Es sind immer viele Junge, viele 20-Jährige im Publikum. Ich glaube, dass bei ihnen eine Sehnsucht nach Werten wie Geborgenheit und Familie da ist. Vielleicht werden die früheren Zeiten verherrlicht, weil man meint, dass alles besser gewesen ist. Aber eine gewisse Sehnsucht ist da. Je mehr Chaos in der Welt herrscht, umso stärker wird auf Familie, Freunde und ein abgesichertes Leben gesetzt. In unserer Jugend ist man dem kritischer gegenübergestanden.

Worum geht’s?

Ich bin als Briefträger von meiner Frau verlassen worden. Ich versuche mit dem Leben zurechtzukommen. Ich leide wie ein Hund und bin zutiefst verletzt, dass gerade mir das passiert.

Weil Sie so ein Supertyp sind?

Genau. Wie kann man mich verlassen? In Wirklichkeit bin ich Loser. Durch die Dialoge mit meinem besten Freund, einem Briefträger aus Eggerding, der plutscht, ergeben sich viele Farkas-Waldbrunn-Geschichten. Ich bin der Gescheite, er der Dumme. Ich spiele beide Figuren. Er begleitet mich in dieser Phase meines Lebens, wo ich auf Frauensuche bin, ich aber glaube, dass ich das nicht brauche. Ich sehne mich aber in Wahrheit nach Liebe und will von einer Frau verehrt werden. Ich durchlaufe alles, was einer durchläuft, wenn er in diesem Alter von einer Frau verlassen wird. Ich suche Kontakte im Internet, ich gehe in den Haslingerhof, ich besuche die Ü-30- und die Ü-50-Parties. Also die klassischen Sachen, wo man sagt, da muss ich eine finden. Es ist aber nie die Richtige dabei. Die eine ist zu jung, bei der anderen passt das nicht. Ich schaue auch immer wieder nach Polen, wo ich die anscheinend wahre Liebe finde. Eine stockkonservative, erzkatholische Polin, die mit mir ins Innviertel geht.

Zwischen den Terminen der Frauensucherei erinnere ich mich an die schöne Zeit, die ich mit meiner Frau gehabt habe.

Im zweiten Teil des Programms geht es um die katholische Kirche.

Bleiben Sie bei der erzkatholischen Polin?

Das lasse ich offen. Vielleicht wird das Thema des nächsten Stücks.

Was ist mit der katholischen Kirche?

Ich gehe zurück in die Zeit, als ich Ministrant war. Ich erzähle von Vorkommnissen, die ich damals als normal empfunden habe. Zum Beispiel von den bigotten Frauen, die bei der Totenzehrung zum Mann der Verstorbenen sagen, Deine Frau hat so einen schönen Pelzmantel gehabt, was tust Du denn damit? Oder wie Sie versuchen, den Witwer zu erobern. Solche Dinge spielen sich ja tatsächlich ab.

Oder vom ersten schwarzen Aushilfspfarrer. Da haben die Frauen, die auch während der Woche am Morgen in die Messe gegangen sind, vom Negerpfarrer geredet. Sie haben sich gefragt, ob sie da schon zur Kommunion gehen können, denn der hat ja schwarze Hände.

Einen Afrikaner Neger zu nennen, war damals üblich, heute ist es verpönt. Finden Sie diese Korrektheit übertrieben?

Nein, das steht außer Frage. Übertrieben ist es, wenn von den Gutmenschen beispielsweise kritisiert wird, dass auf der Speisekarte Zigeunerschnitzel steht. Oder wenn auf einer Schokolade nicht mehr Negerbrot stehen darf und man dann als Rassist beschimpft wird. Das geht eindeutig zu weit. Als ich früher viel unterwegs war, habe ich viele Afrikaner kennengelernt. Sie waren wirklich lässige Leute. Ich finde es ehrlicher, weiterhin die Begriffe Negerbrot, Mohr im Hemd und Zigeunerschnitzel zu verwenden und vor den Afrikanern Respekt zu haben, als das Verhalten von manchen Gutmenschen, die die Begriffe zwar korrekt verwenden, aber die schwarzen Kellner und Taxifahrer abschätzig und herablassend behandeln.

Aktuell läuft die #MeToo-Debatte. Wie sehen Sie das Verhältnis Männer/Frauen, das sich in den vergangenen Jahrzehnten doch massiv geändert hat?

Ich sehe mein Verhältnis und das von vielen meiner Altersgenossen zu Frauen sehr entspannt. Eine Generation nach uns kann diese Entspanntheit nicht mehr leben, weil sie in Gefahr kommt in eine bestimmte Ecke gedrängt zu werden, nur weil sie eine Frau anflirten.Unsere Generation hat das mit einer gewissen Lockerheit machen können. Und wenn man zu weit gegangen ist, hat man eine Watsche bekommen. Das hat man auch respektiert. Die heutigen Jungen haben es da wesentlich schwerer.

Es war ganz klar, dass man keine sexuellen Belästigungen begeht.

Bei manchen Frauen hat man den Eindruck, dass es einen Männerhass gibt. Mir gefällt Nina Proll, die als Frau ganz selbstbewusst auftritt.

Ein wesentliches Themen in den Gemeinden am Land ist die Abwanderung. Immer mehr Bauern hören auf, die Menschen sind gezwungen, in die Städte zu pendeln.

Es fällt uns auf den Kopf, dass die Infrastruktur immer schlechter wird. Ich war kürzlich in Dresden und Leipzig. Weil ich Zeit hatte, bin ich von der Autobahn ab- und über Land gefahren. Die Dörfer sind dort tot.Die Jungen sind alle weg. Diese Gefahr besteht bei uns auch, wenn die Politik hier nicht wirklich gegensteuert. Es gibt immer weniger Gasthäuser. Am Ortsrand gibt es vielleicht zwei Supermärkte und ein Kebab-Standl. Das ist zu wenig und wird uns am Land auf Dauer umbringen.

Wie ist das in Ihrem Heimatort Riedau?

In Riedau gibt es noch genug. Aber in der Nachbargemeinde Dorf an der Pram gibt es nur noch einen Wirt und den gibt es auch nur noch, weil die Gemeinde mitgeholfen hat. Die Raika hat auch nur noch stundenweise offen. Aber das ist es. Wenn es nicht so ein gutes Vereinsleben gäbe und das haben wir Gott sei Dank, dann würde es in solchen Orten einfach schlimm ausschauen.

Warum machen Sie eigentlich Kabarett?

Anfänglich aus Neugier. Mittlerweile ist es schön, wenn man die Menschen eineinhalb Stunden glücklich machen kann. Die Besucher können sich wiedererkennen, nicht nur sich, sondern auch ihren komischen Partner und die Flausen vom Nachbarn. Mit gefällt es, den Menschen taugt es.

Ihre Arbeit ist aufwendig. Sie arbeiten Vollzeit beim Land, dazu kommen ihre Auftritte.

Es ist nicht aufwendig. Ich trete zwei Mal im Monat auf. Ich war soeben in Regensburg. Da fahre ich um 14 Uhr weg, bin dann bei einem Radio-Interview, dann esse ich etwas. Schließlich folgt der Auftritt. Die Belastung war im ersten Jahr massiv, weil ich so nervös war. Ich habe gelitten wie ein Hund. Ich habe mir gedacht, ich höre wieder auf, weil ich das nicht durchstehe. Nun unterziehe ich mich einen Tag vor dem Auftritt einer Cranio-Sacral-Therapie. Meine Nervosität ist weg.

Wie ist es Ihnen in Wien ergangen?

Ich hatte dort fünf, sechs Auftritte. Es hat nicht funktioniert. In Wien soll man in jedem zweiten Satz "Sch...." oder "A...." sagen. Das mache ich nicht.

In Salzburg habe ich sehr oft gespielt. Nach einerORF-Aufzeichnung kam der Redakteur zu mir und hat mir einen Zwei-Jahres-Vertrag angeboten. Ich habe ihn abgelehnt, denn da muss ich das spielen, was der Sender will. Da spiele ich lieber im letzten Dorf im Innviertel oder im Steyrertal. Das ist mein Publikum. Ich will nicht mit der Wiener Clique verbandelt sein. Das ist dort eine Vetternwirtschaft. Da sitzt immer die gleiche Partie.

Die Oberösterreicher tun sich mit den Wienern schwer. In einem Leserbrief spricht ein Wiener Universitätsprofessor von einer dumpfen Wien-Aggression der Oberösterreicher.

Aggression ist übertrieben, aber Freude habe ich mit den Wienern auch keine.

Herrscht in Wien eine andere Mentalität?

Absolut.

Kurt Vorhofer, ehemaliger Leiter der Wien-Redaktion der Kleinen Zeitung, meinte, wenn er mit dem Zug von Salzburg nach Wien fahrt und er die Enns überquert, weiß er, dass nun der Balkan beginnt.

Die Stadt Wien ist wunderbar, aber viele sind einfach zwider und grantig. In einer Sonderausgabe einer Wiener Tageszeitung waren zum Beispiel nur Wiener Kabarettisten abgebildet. Da gab es keinen einzigen aus einem Bundesland.