Chronik | Oberösterreich
19.11.2017

Auf dem Strindberg-Weg zur schönsten Burg Österreichs

Wilde Natur und eine lebendige Geschichte begleiten die Wanderer.

Ein naher Schauplatz der Weltliteratur ist einen Besuch wert. Der schwedische Dichter August Strindberg hat die Klamschlucht in seinen literarischen Werken verewigt. Nahe dem Strudengau-Ort Klam ist das Kulturzentrum Sturmmühle Ausgangs- und Endpunkt eines besonderen Oberösterreich-Genusses.

Das markante Eingangstor in die Schlucht verspricht Vielfältiges. Drachenloch, Rabenstein und Steinerne Tür warten auf den Besucher. Zuerst lädt der tosende Wasserfall, über den ein Holzsteg führt, zu einer ersten Rast. Gleich danach folgt der wie von Riesenhand aufgestellte Felsenturm. Weiter geht es den Klambach entlang. Früher hat dieser auf knapp zwei Kilometern Länge fünf Mühlen angetrieben. Den gegenüber der historischen Hammerschmiede hoch aufragenden Wollsackfelsen beschrieb Strindberg in seinem Werk "Inferno" als "Türkenkopf mit Turban". Der Volksmund nannte ihn später Leostein – nach der markaten Nase von Papst Leo II.

Schließlich erreichen wir nach halbstündiger Wanderung die Burg Clam. Die Ursprünge der mächtigen Wehranlage gehen auf das 12. Jahrhundert zurück. Finstere Raubritter kontrollierten von hier aus das nahe Machland. Seit 550 Jahren ist es im Besitz von ein und derselben Familie, der gräflichen Familie Clam, die auch heute noch hier wohnt. Die kundige Burg-Führerin Renate Löttner weist auf die Einzigartigkeit dieser Burg hin. "Es handelt sich um eine bewohnte, voll möblierte mittelalterliche Festung. Die zahlreichen Kunstschätze sind an ihrem historisch angestammten Platz zu bewundern. Keine Brände oder Kriege haben sie zerstört."

Es stimmt. Kaum wo in der Welt gibt es Vergleichbares: Der dreistöckige Renaissance-Arkadenhof, die gotische Burgkapelle, eine eigene Burgapotheke, das gräfliche Wohnzimmer mit dem Balkon, auf dem sich Thomas Bernhard immer wieder dichterisch inspirieren ließ, die mittelalterliche Bibliothek, die privaten Schlafräume, die auch gemietet werden können. Und schließlich das Musikzimmer, in dem zu Mozarts Zeiten Musik gespielt wurde – vielleicht ein Vorspann zu den vielen musikalischen Veranstaltungen, die heute auf der Burg Clam stattfinden. Oder den mittelalterlichen Adventmarkt, der an diesem Wochenende die Burg belebt.

Durch eine mächtige Eichenallee geht es schließlich auf dem "Voralpenblickrunde"-Weg in die Ortschaft Mühlberg. Der Blick richtet sich auf die fern am Horizont liegende Kirche von Allerheiligen. Zunächst dem Wegweiser Richtung Baumgartenberg folgend, wird rasch die Sturmmühle erreicht. Natur und Kultur haben bei diesem einstündigen Rundweg eine einmalige Symbiose gefunden.

Autor Josef Leitner ist Universitätslektor und besuchtmit seinem Reisemobil interessante Plätze der Kultur und Natur