Antifa vermutet rechtsextreme Anschlagsserie in Wels

Mauthausen Komitee und Antifa-Netzwerk fordern Ermittlungen. Polizei sieht keine Hinweise.

Nach einer Gedenktafelschändung und zwei Brandstiftungen in Wels befürchten das Mauthausen Komitee (MKÖ) und das oö. Antifa-Netzwerk, dass es sich um eine rechtsextreme Anschlagsserie handelt.

In der Porzellangasse ist am 12. Februar eine Gedenktafel für die Opfer eines Neonazi-Brandanschlags mit einem Hitler-Gesicht beschmiert worden. Nur wenige hundert Meter entfernt wurde am 19. Februar gegen ein Uhr Früh ein Gebäude der Volkshilfe, in dem sich das Integrationsbüro befindet, in Brand gesetzt. Wieder eine Woche später, am 26. Februar, wurde gegen ein Uhr Früh ein von türkischen Migranten bewohntes Haus in der Albrechtstraße angezündet. Es gab acht Verletzte. Auch dieser Tatort liegt nicht weit von den beiden anderen.

„Die zeitliche, örtliche und sachliche Nähe der drei Straftaten lässt für uns den Schluss zu, dass das rassistisch motivierte Anschläge gewesen waren“, betonen MKÖ-Chef Willi Mernyi und Antifa-Sprecher Robert Eiter. Erschwerend komme hinzu, dass in dem Stadtteil eine aktive rechtsextreme Szene existiere. Beide teilten ihre Befürchtungen am Donnerstag schriftlich Innenministerin Johanna Mikl-Leitner mit.

„Wir haben sie ersucht, dafür zu sorgen, dass Polizei und Verfassungsschutz diesem Verdacht konsequent und engagiert nachgehen.“ Ansonsten sei zu befürchten, dass die Serie fortgesetzt wird und im schlimmsten Fall Menschen getötet werden.

Keine Indizien

Ein „Hitler-Gesicht“ wurde auf eine Gedenktafel geschmiert.
© Bild: Infoladen Wels

„Wir haben vorerst keine konkreten Hinweise, die einen derartigen Verdacht erhärten würden“, relativiert Michael Tischlinger, Chef des Landesverfassungsschutzes (LVT). Zusammenhänge zwischen den drei Taten ließen sich nicht nachweisen. „Bei den Ermittlungen wurde nichts gefunden.“

Auch der stellvertretende Welser Polizeidirektor, Josef Hanl, winkt ab: „Hier wird etwas in den Raum gestellt, wofür es keine Beweise gibt.“ Die rechte Szene verhalte sich in Wels komplett ruhig. „Die Bevölkerung braucht sich keine Sorgen machen.“

Antifa-Sprecher Eiter bleibt dennoch skeptisch: „Dieses Abwiegeln hat leider Tradition. Auch beim tödlichen Neonazi-Brandanschlag im Mai 1997 hat die Welser Polizei immer erklärt, dass es keine politischen Hintergründe gibt. Der Täter ist aber wegen NS-Wiederbetätigtung verurteilt worden.“

( Kurier ) Erstellt am 05.03.2012