Chronik | Oberösterreich
14.01.2012

Airport Budweis droht Bruchlandung

EU dreht Förderhahn für den Flughafen-Ausbau zu. Betreiber sucht nun finanzielle Alternative. Aufatmen im Airport Linz.

Der südböhmische Flughafenbetreiber „LKCS“ gerät mit seinem Airport in Budweis in schwere Turbulenzen. Obwohl sich der ehemalige Militärflugplatz – nur 60 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt – seit vier Jahren im kontinuierlichen Steigflug in Richtung eines internationalen Flughafens befindet, droht nun eine Bruchlandung. Die Finanzierung des 40 Millionen Euro teuren Ausbauprojekts wackelt, seit die EU überraschend den Förderhahn zugedreht hat. Sie sieht plötzlich doch keinen Bedarf für einen weiteren Airport im europäischen Flugnetz mehr.

Diese Entscheidung kommt aus heiterem Himmel – denn es soll schon Förderzusagen geben haben. Der Airport-Vorstand und die Regionalpolitiker sind schockiert. „Es ist absurd. Zunächst steht die EU hinter dem Ausbau und jetzt stellt sie das gesamte Projekt in Frage“, erklärt Vaclav Kral, Ratsmitglied für Verkehr.

Bereits seit vier Jahren zeugen Kräne und Bagger auf dem Flughafengelände davon, dass der Betreiber Großes vorhat. Der Tower und das Verwaltungsgebäude sind schon runderneuert. An einem modernen Terminal wird fieberhaft gebaut – denn der Airport will sich nicht mehr mit kleinen Flugzeugen zufrieden geben.

In Zukunft sollen stattliche Passagier-Jets á la „Boeing 737“ und „Airbus 320“ hier starten und landen können, was auch Bürger und Wirtschaftstreibende in OÖ und NÖ wegen der geringen Distanz nach Budweis freuen würde. „Wenn der Airport im internationalen Flugnetz integriert wird, bringt er den umliegenden Regionen viele Vorteile“, sagt VP-Landtagsmandatar Johann Hofbauer aus Gmünd. Er bietet den Tschechen „alle unsere Kontakte an, um den Flughafen fertig ausbauen zu können.“

Investorensuche

Trotz der Hiobsbotschaft aus Brüssel gibt sich der Airport-Vorstand kämpferisch. „Wenn die EU nicht hilft, müssen wir eben auf private Investoren hoffen“, erklärt Flughafensprecherin Martina Vodičková. Am 16. Jänner tagt der Airport-Vorstand.

„Wir wollen die Modernisierung des Flughafens in jedem Fall fortsetzen – zumindest in einem kleineren Umfang“, versichert auch Katarina Kozeluhová, Sprecherin des Südböhmischen Kreishauptmanns Jiří Zimola. Da das finanzielle Loch von rund 15 Millionen Euro nicht aus lokalen Zuschüssen und Förderungen aufzubringen sei, werde nun beispielsweise auf der französischen Immobilienmesse in Cannes nach internationalen Investoren gesucht. „Aus der Türkei wurde bereits großes Interesse signalisiert“, sagt Kozeluhová.

Während jetzt eine neue finanzielle Flugroute berechnet wird, sucht man auch nach Gründen für den Förderstopp der EU. Dabei werden etwa umliegende Mitbewerber wie der Flughafen Linz-Hörsching ins Visier genommen, die gezielt Lobbying betrieben haben könnten. „Damit haben wir nichts zu tun, so etwas machen wir nicht einmal im Ansatz. Wir kämpfen nur mit fairen Mitteln“, betont Gerhard Kunesch, Geschäftsführer des Airports Linz-Hörsching.

Er hält den Ausbau des Flughafens Budweis aber aus wirtschaftlichen Gründen für wenig sinnvoll: „Die Auslastungszahlen wären auf Dauer zu niedrig. Da wäre es doch wesentlich gescheiter, wenn wir auch zum Heimatflughafen für Südböhmen würden.“

Wandel: Militär räumte Flugplatz

Vor rund 70 Jahren ist der 300 Hektar große Flugplatz Budweis in Plana bei České Budějovice errichtet worden. Bis 2005 wurde er ausschließlich als Militärflughafen genutzt. Vor genau vier Jahren räumte das tschechische Heer das Flugfeld und machte begeisterten Sportfliegern Platz. Ursprünglich war geplant, eine Milliarde Kronen (knapp 40 Millionen Euro) in den Flughafen-Ausbau zu investieren. Bisher dürfen nur leichte Sportflugzeuge und osteuropäische Maschinen auf der 2,5 Kilometer langen Piste starten und landen.

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