Chronik | Oberösterreich
10.02.2018

90-Jährige fiel auf Telefonbetrug herein

OÖ, NÖ. Falsche Polizisten nahmen ihrem Opfer 20.000 Euro ab.

Eine internationale Betrügerbande, deren Mitglieder sich telefonisch als Polizisten ausgeben, um an das Geld von Senioren zu kommen, hat offenbar Österreich als ihr Operationsgebiet ausgewählt. Beim jüngsten Fall in Oberösterreich ergaunerten die Kriminellen von einer 90-Jährigen in Weyer sogar 20.000 Euro. Die sogenannte "Türkische Callcenter-Mafia" ist aktuell vor allem in Oberösterreich, Niederösterreich und Tirol aktiv.

Nachdem in der Vorwoche eine 85-Jährige aus Wels im letzten Moment vor dem Verlust ihres Geldes bewahrt werden konnte, gelang Betrügern bei der Frau aus Weyer der heimtückische Coup: Ein Unbekannter hatte vergangenen Donnerstag bei ihr angerufen und sich als Polizist ausgegeben. Sie müsse ihr Erspartes von der Bank holen, weil es dort nicht mehr sicher sei, erklärte der falsche Beamte. Zuvor hatte er in einem längeren Gespräch das Vertrauen der Frau gewonnen.

Diese folgte dem Rat des Anrufers und hob 20.000 Euro ab. Noch am selben Tag läutete am Abend ein anderer "Beamter" an der Haustüre des Opfers. Er stellte sich als Kriminalbeamter vor, der das Geld der Frau beschlagnahmen müsse, weil es sich um Falschgeld handle. Er stellte der gutgläubigen Frau eine Quittung aus und kündigte an, in zwei Stunden wieder zurückzukommen. Als er nicht mehr zurückkehrte, verständigte die 90-Jährige die wirkliche Polizei.

Technische Tricks

Von anderen Fällen wissen die Ermittler, wie die Gauner zumeist vorgehen: Unter anderem schaffen sie es mithilfe technischer Tricks, dass am Display der Telefone der Opfer die Telefonnummer +430133 aufscheint – eine Nummer also, die dem Polizei-Notruf sehr ähnlich ist. Hebt das Opfer ab, erzählen sie, dass Kriminelle festgenommen worden seien. Bei den Verhören habe sich gezeigt, dass die Bank des Angerufenen in den Fall involviert sei und sein Geld daher dort nicht mehr sicher sei. Der oder die Angerufene wird dann aufgefordert, das Geld entweder auf ein sogenanntes "Polizei-Konto" zu überweisen, oder in einem Paket in die Türkei zu schicken. Es sei aber auch möglich, dass ein Verbindungsmann das Geld gleich persönlich abhole.

"Man soll sich auf solche Telefonate erst gar nicht einlassen", warnt Raimund Schweigerlehner von der Polizei NÖ. Weil auch im Bezirk Baden drei Fälle angezeigt wurden, ging die Polizei in NÖ ebenso wie auch in OÖ mit einer Warnung an die Öffentlichkeit: So bitte die Polizei nie am Telefon um Geld. Ebenso dürfe man über das Telefon niemals Details über seine Finanzen preisgeben. Schöpft man Verdacht, ins Visier einer derartigen Bande geraten zu sein, sollte man unbedingt die nächste Polizeidienststelle informieren.