Chronik | Oberösterreich
25.06.2017

60-Jährige bald die stärkste Wählergruppe

Die Senioren setzen ihre Interessen durch. Sie werden in Zukunft noch stärker.

Die Bevölkerungsentwicklung ändert sich dramatisch. 2021, also in vier Jahren, sind bereits 34 Prozent der Wähler in Oberösterreich älter als 60. 2045 machen die 60-Jährigen bereits 46 Prozent aus. Damit sind sie die stärkste Gruppe, stärker als die 25 bis 59-Jährigen, die dann 44 Prozent stellen werden. "Die Senioren werden damit wahlpolitisch immer interessanter", sagt Landeshauptmann a.D. Josef Pühringer, der neue gewählte Obmann des Seniorenbundes.

Der Alterungsprozess verändert das gesellschaftliche und politische Gefüge komplett. Es werden künftig weniger Menschen in die Sozial- und Steuertöpfe einzahlen, wohingegen die öffentlichen Ausgaben für Pensionen, Gesundheit und Pflege steigen werden. Darüber wird es intensive Diskussionen geben, denn es stellt sich die Frage, ob die Jungen in der Lage und Willens sind, die steigenden Kosten zu übernehmen. Zumal ihnen die ältere Generation einen Rucksack an Schulden hinterlässt. Besonders die Pflege hält Pühringer für nicht ausreichend abgesichert. "Zwar wurde der Pflegefonds bis 2021 verlängert, ich habe aber meine Bedenken, dass es auf Dauer nur über diesen Fonds geht." Er verweist auf Deutschland, wo eine Pflegeversicherung eingeführt worden ist. "Wir werden die mobile Pflege gegenüber der stationären in den Heimen stärker beachten müssen." Bund, Länder und Gemeinden haben 2012 rund 163 Millionen Euro für die Pflege in den Heimen und 35,7 Millionen für die mobilen Pflegedienste aufgewendet. 2030 werden sie auf 380 Millionen Euro bzw. für die mobile Pflege auf 80 Millionen steigen.

Pühringer setzt mit seinem ÖVP-Seniorenbund, dem rund 75.000 Mitglieder angehören, in den nächsten Monaten auf drei Projekte: Es sollen Stammtischleiter mit entsprechenden EDV-Kenntnissen ausgebildet werden, die Senioren beim Handy und beim Internet (Digitalisierung) behilflich sind. Weiters werden Interessierte als diplomierte Lern- und Lesepaten eingesetzt, die Kindern vorlesen. Und drittens sollen in allen Bezirken Dankes-Feste für die Sprengelbetreuer organisiert werden. Die Sprengelbetreuer kümmern sich um die Senioren in ihrer Umgebung.

Heinz Hillinger vom SPÖ-nahen Pensionistenverband hat 78.000 Mitglieder. "Wir sind österreichweit die stärkste Organisation. Mitglieder können wir nur über Sport und Kulturveranstaltungen gewinnen", sagt er. Walter Ratt ist Obmann des FPÖ-nahen Seniorenringes. 10.000 Mitglieder sind in 120 Orts- und Bezirksgruppen organisiert. "Seniorenorganisationen sind gesundheitsfördernde Lebenswelten."