Das Ensemble rund um den Kampfpiloten Lars Koch (Simon Jaritz) macht den Schwurgerichtssaal im Linzer Landesgericht zur Bühne

© /Reinhard Winkler

Uraufführung
05/01/2016

164 gegen 70.000 Leben? Wenn das Publikum Recht spricht

Ferdinand von Schirachs Stück "Terror" wird am Linzer Gericht erstmals in Österreich gespielt. Und nimmt die Zuseher in die moralische Pflicht.

von Claudia Stelzel-Pröll

Eine Passagiermaschine wird von Terroristen entführt und nimmt Kurs auf ein voll besetztes Stadion. Ein Kampfpilot muss reagieren. Soll er, darf er, wird er das Flugzeug abschießen? Er trifft eine Entscheidung, für die er sich wenige Wochen später vor einem Schöffengericht verantworten muss.

Genau hier setzt das Theaterstück "Terror" des deutschen Juristen und Schriftstellers Ferdinand von Schirach ein. Am 10. Mai feiert die österreichische Erstaufführung Premiere in Linz. Der Spielort, der Große Schwurgerichtssaal am Landesgericht, könnte nicht passender sein. Das Besondere an diesem Stück: Den Zuschauern kommt die Rolle der Schöffen zu, sie entscheiden zum Schluss per Stimmzettel anonym, ob der Pilot verurteilt oder freigesprochen wird, jeder Abend kann anders ausgehen. Auch der Angeklagte selbst weiß somit nie, ob er den Gerichtssaal als Mörder verlässt.

Anspruchsvoll

Die Linzer Gruppe theater@work stellt das Ensemble, Simon Jaritz, der erst kürzlich als Hitler in "Er ist wieder da" im Theater Phönix begeisterte, spielt den Bundeswehr-Kampfpiloten Lars Koch. Regie führt Heidelinde Leutgöb. "Es wird für das Publikum sicher ein anspruchsvoller, herausfordernder Abend mit viel Stoff für anschließende Diskussionen", verspricht die Regisseurin. Denn wer kann und will schon 164 gegen 70.000 Leben abwiegen? Und wie weit lassen wir uns für unsere Sicherheit in unserer Freiheit einschränken? Siegt schließlich die Angst über die Freiheit? Diese und weitere spannende Fragen werden von den Protagonisten aufgeworfen – und nicht immer beantwortet. "Toll ist, dass das Stück keine Klischees bedient und dass es für jede Seite überzeugende Argumente gibt", sagt Leutgöb. Die Handlung sei zwar rein fiktiv, der Hintergrund, die Infos und Fakten aber Realität.

Übrigens, wer dabei sein will, muss schnell sein. Einige Vorstellungen sind bereits ausverkauft, die Nachfrage nach Tickets ist groß.

INFO: Premiere am 10. 5., Termine: 13., 19., 24., 25., 27., 31. Mai, 7., 9., 10., 15., 17., 27., 28., 29. 30. Juni, 1. Juli, Beginn 19.30 Uhr, wegen der Sicherheits-Checks eine halbe Stunde vorher anwesend sein, Landesgericht Linz (Fadingerstr. 2), 24 €, Info ☎ 0650/720 72 81, www.theateratwork.at

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