14-Jährige tot: "Der Schock sitzt tief"

Paulina Sideres kam am Dienstag nicht in der Schule an. Auf dem Grundstück des Stiefvaters lag ihre Leiche.

Der Schock sitzt tief." Der Bad Ischler Bürgermeister Hannes Heide zeigte sich am Donnerstag nach dem gewaltsamen Tod der 14-Jährigen Paulina Sideres bestürzt. "In der Erinnerung der Menschen ist kein vergleichbares Verbrechen passiert." Soweit er wisse, dürfte der letzte Mord im Ort in den 1930er Jahren geschehen sein. Die Todesnachricht war genau in das Schulschlussfest des Gymnasiums geplatzt, das daraufhin abgebrochen wurde. "Da wird alles andere unwichtig", so Heide.

Erst am Mittwoch hatten sich die beiden Tatverdächtigen in dem Entführungsfall in Widersprüche verwickelt. "Die Einvernahmeergebnisse sind nicht stimmig", sagte der oberösterreichische Sicherheitsdirektor Alois Lißl in der Nacht auf Donnerstag in der "ZiB24". Derzeit liege kein Geständnis des früheren Lebensgefährten der Mutter und seines Sohnes vor, die das Mädchen getötet haben sollen. Die Einvernahmen sind im Laufen, noch am Donnerstag sollen die beiden Männer ins Gefängnis eingeliefert werden.

Auf einem Grundstück in der Nähe des Schwarzensees zwischen Bad Ischl und Strobl wurde Mittwoch Abend eine weibliche Leiche entdeckt. Die junge Frau soll dem Vernehmen nach stranguliert worden sein. Ihr Körper war in der Erde verscharrt. Unter strengster Geheimhaltung war die Tatortgruppe des Landeskriminalamts vor Ort und sicherte sämtliche verwertbaren Spuren. Das Grundstück soll Paulinas Stiefvater gehören.

Dienstagfrüh verschwunden

Die Leiche wurde auf einem Grundstück des Großvaters von Paulina gefunden.
© Bild: APA/ANDREAS ZEPPELZAUER

Zur Vorgeschichte: Dienstagfrüh verschwand das Mädchen auf dem Weg ins Gymnasium. Die 14-Jährige, deren leiblicher Vater Grieche ist, wollte gegen 7 Uhr von ihrem Elternhaus zu einer nur wenige hundert Meter entfernten Schulbushaltestelle gehen. Doch dort ist Paulina nie angekommen. In der Siedlung am Köhlerweg fiel allerdings ein rot lackierter VW-Sharan mit dem Kennzeichen GM-1 FZG auf. Ein Mann saß am Steuer. Dieser Hinweis führte zu Klaus K. und seinem Sohn Konstantin - Stiefvater und Stiefbruder von Paulina.

Der 48-jährige Fernfahrer ist mit der Mutter der 14-Jährigen verheiratet, die Frau lebte zuletzt aber nicht mehr im selben Haushalt in der Ortschaft Kaltenbach. Die gebürtige Deutsche soll den Bad Ischler vor fünf Monaten verlassen haben und mit ihren drei Töchtern in den Köhlerweg gezogen sein. Das Kennzeichen des verdächtigen Wagens führte die Ermittler noch am Dienstag zum Stiefvater. Als klar war, dass der Fernfahrer etwas mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun haben könnte, wurde sofort eine riesige Ermittlungsmaschinerie in Gang gesetzt, die bis ins südliche Niederösterreich reichte. Der Mann wurde verhaftet, er gilt in dem Fall als hauptverdächtig.

Blutspuren

Wie die Polizei nachvollziehen konnte, war der ebenfalls verdächtige Stiefsohn Konstantin K. am Dienstag tagsüber von Bad Ischl über den Pötschenpass Richtung Pyhrnautobahn unterwegs. Sein Weg führte ihn weiter auf die Semmering-Schnellstraße bis zur Südautobahn nach NÖ, wo er beim Knoten Wiener Neustadt auf die Burgenland-Schnellstraße auffuhr und kurz darauf die Abfahrt Katzelsdorf im Bezirk Wiener Neustadt nahm. Direkt neben der Schnellstraße verläuft ein Windschutzgürtel. "Dort ist er stehen geblieben und hat die Rücksitzbank des Autos in ein Gestrüpp geworfen", schildern niederösterreichische Ermittler.

Wenig später tauchte ein völlig verschwitzter, verdreckter und sichtlich erschöpfter Unbekannter bei der wenige Kilometer entfernten Polizeiinspektion in Bad Erlach auf. Es war der 19-Jährige. Die Ermittler hatten ihn am Handy erreicht und ihm geraten, sich am nächsten Posten zu stellen. Das tat er auch. Bis Mordermittler aus NÖ und OÖ eintrafen, schwieg der junge Mann jedoch eisern.

Erst auf gezielte Fragen hin erfuhren die Beamten nach und nach Details. Beispielsweise, was mit der Rücksitzbank des Autos geschehen war. Diese wurde im Gestrüpp neben der
Autobahn sichergestellt. "Es waren einige Blutflecken darauf", bestätigen Tatortermittler. Auch im Auto soll Blut gefunden worden sein. Ob es jenes von Paulina Sideres ist, werden Laboruntersuchungen zeigen. Das Ergebnis der Gerichtsmedizin wird für Donnerstag erwartet.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011