Chronik | Niederösterreich
08.10.2017

Zu Gast beim Donauwirt in Weißenkirchen

Das Hotel-Restaurant Donauwirt glänzt mit feiner Küche und historischem Ambiente.

Wer das Hotel-Restaurant Donauwirt in Weißenkirchen in der Wachau betritt, macht einen Ausflug in die Geschichte. 1523 ist das Haus erstmals erwähnt worden, in dem Anton und Maria Rosenberger seit 27 Jahren Gäste bewirten. Es ist der gelungene Spagat zwischen Tradition und Moderne, der vielen Gästen so gut gefällt, dass sie immer wieder kommen.

Familienbetrieb

"Seit 1867 ist das Gebäude im Familienbesitz, seither haben immer Frauen das Gasthaus geführt. Ich bin der erste Mann, der das macht", erzählt Anton Rosenberger. Diese Tradition des Familienbetriebs, in dem auch Sohn Michael mit hilft, spiegelt sich auch in der Küche wider. Sie ist das Refugium von Maria Rosenberger, die keine Kompromisse beim Qualitätsanspruch an die Zutaten duldet: Die Gänse liefert ein bekannter Landwirt, das Rehcarpaccio entsteht aus Wild, das befreundete Jäger im nahen Wald erlegen. Fast alle verwendeten Kräuter und ein Teil des Gemüses wachsen – unter Tonis persönlicher Aufsicht – direkt neben dem paradiesisch verwachsenen Gastgarten, den auch ein üppiger Feigenbaum schmückt.

"Sie ist grenzgenial und sicher einer der besten Küchenchefs der Wachau", sagt Toni über die Arbeit seiner Frau. Doch Maria winkt bescheiden ab – für sie ist das selbstverständlich, obwohl vor wenigen Minuten ein abreisender Hotelgast ihre Küche gerade ebenfalls überschwänglich gelobt hatte.

Rückschläge

Der Weg der Rosenbergers war nicht einfach: 1990 übernahmen sie das Gasthaus von Antons Eltern und bauten es aufwendig um. Doch schon 1991 zerstörte eines der heftigsten Donauhochwasser den Großteil wieder. Dass die Fluten alle paar Jahr wiederkehrten, erzwang das Bergen der Kücheneinrichtung aus dem Erdgeschoß in höher gelegene Räume und zog Betriebssperren nach sich. Das war nur durch Zusammenhalt und Gelassenheit durchzustehen.

Erst seit wenigen Jahren gibt den Rosenbergers der neu errichtete Hochwasserschutz die Möglichkeit, in Verbesserungen statt Reparaturen zu investieren. Diese Chance haben sie genutzt und erneut großzügig umgebaut. So sind etwa im Hoteltrakt wunderbare Suiten entstanden, liebevoll ins alte Gemäuer eingefügt.

Urgroßmutters Rezept

Doch zurück in die Küche: Da entsteht etwa ein Rostbraten nach dem Originalrezept von Tonis Urgroßmutter, das im Jahr 1917 aufgezeichnet wurde – also heuer 100 Jahre alt ist. Chefköchin Maria schaut nicht auf die Uhr, wenn es um einen schonenden Prozess geht: So gart der Schweinsbauch über 36 Stunden im Gewürzöl, bevor er auf Rahmkraut serviert wird. Gut kommt auch das rosa Filet vom Ötscherblickschwein an, das mit hausgemachten Bandnudeln, Eierschwammerln, Roten Rüben, Muskat-Kürbis und Kohlsprossen-Blättchen auf den Teller kommt. Zwetschkenknödel mit Beerenragout und Vanille-Rum-Schaum sind ein genüsslicher Abschluss.

Beim Wein konzentriert sich der Wirt auf die Gebiete Wachau, Kamptal und Kremstal – auch hier müssen die Produkte also keine weite Reise auf sich nehmen. Wer lieber ohne Alkohol auskommt, kann sich beispielsweise für hausgemachten Melissen-, Holunder oder Marillensaft entscheiden.

Das Konzept der Rosenbergers zeigt Früchte: Seit 2007 wird das Restaurant durchgehend von Gault-Millau-Testern mit einer Haube belohnt. Außerdem gab’s eine goldene Falstaff-Gabel.