Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Witzigmanns Welt: Chili

Dem spanischen Pfeffer auf der Spur: Über Herkunft, Chilibrand, Chili con Carne mit Kick und warum Schärfe uns glücklich macht.

Wenn ich Chili höre, muss ich mit Schweißperlen auf der Stirn an Portugal denken. Vor einigen Jahren entführte mich Dieter Koschina, Küchenchef der Vila Joya in Albufeira, in dieses unscheinbare Restaurant namens "Rei dos Frangos". Spezialität des Hauses: Hähnchen Piri-Piri. Grundlage ist eine waffenscheinpflichtige Marinade aus Chilischoten, Salz, Olivenöl und Knoblauch. Normalerweise bin ich ja nicht empfindlich gegen Schärfe. Aber damals - was hab ich Bier gegen dieses Höllenfeuer in meiner Kehle getrunken! Vergeblich. Heute weiß ich, fetthaltige Produkte wie Milch oder Käse mildern die Schärfe besser als Wasser bzw. flüssiges Brot.

Die Geschichte der Chilis ist eine globale Erfolgsstory. Ursprünglich stammen die scharfen Schoten aus Südamerika und dienten bereits den mexikanischen Ureinwohnern knapp 7000 vor Christus als Nutzpflanzen. Dem Entdeckergeist des großen Seefahrers Christoph Kolumbus haben wir den weltweiten Siegeszug der Chilis zu verdanken. Er brachte die kleinen, superscharfen Paprikas im 15. Jahrhundert nach Europa, die sich von dort aus als "spanischer Pfeffer" auf der gesamten Erdkugel rasant verbreiten sollten. Die thailändische Küche zum Beispiel wäre ohne Chili überhaupt nicht denkbar. Und auch das obligatorische "Krokodui" zur Käsekrainer gäbe es heute nicht an den Wiener Würstelständen.

Die Chilischote verleiht durch ihre Schärfe dem Essen nicht nur eine ganz besondere Note. Sie ist auch noch wahnsinnig gesund. Chili enthält zahlreiche Vitamine und versorgt uns, frisch verkocht, mit doppelt so viel Vitamin C wie eine vergleichbare Menge Zitrone. Hinzu kommen die Vitamine A, B1, B2, B3 und E, Eisen sowie Calcium, die sogar erhalten bleiben, nachdem die Schote getrocknet wurde. Das wohl populärste Chili-Gericht ist "Chili con Carne". Erfunden wurde es übrigens in den USA und nicht in Mexiko.

Wo ich das beste Chili gegessen habe? Bei mir! Mein Tipp: Verwenden Sie, um den Geschmack abzurunden, statt Zucker oder Schokolade einen ordentlichen Schuss Cola! Sie werden überwältigt sein.Übrigens: Chilis machen glücklich. Das für die Schärfe verantwortliche Capsaicin in den Schoten sorgt für einen wahren Wasserfall an Endorphinen in unserem Körper. Sie können sich nicht vorstellen, wie "glücklich" ich damals in Portugal war.

Aus: FREIZEIT-Kurier vom 1.8.
Eckart Witzigmann widmet sich in seiner Kolummne im FREIZEIT-Kurier dem ganz (un)gewöhnlichen Küchen-Alltag.

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