Wirbel um Geheim-Frequency

Veranstalter und Bürgermeister präsentieren Festival 2012 vor Beschluss im St. Pöltner Stadtparlament. Die ÖVP ortet Gesetzesbruch.

Wie geheim kann (muss) ein Festival sein, für das bereits seit der Vorweihnachtszeit im Internet verbilligte "Early Birds"-Tickets verkauft wurden? Unter Fans  gar nicht, da stand das heurige "Frequency" von 16. bis 18. August in St. Pölten felsenfest. Doch politische Spielregeln sind komplexer und daher brauten sich Mittwoch in St. Pölten schwere Polit-Gewitterwolken zusammen, während Veranstalter Harry Jenner und Bürgermeister Matthias Stadler das Festival in Wien medial präsentierten.

"Ich bin entsetzt" ließ VP-Klubobmann Bernhard Wurzer wissen. "Damit wird der ganze Gemeinderat ad absurdum geführt." Schließlich soll das Stadtparlament erst kommenden Montag die Abhaltung des Festivals beschließen.  Dazu kommt eine pikante Facette: Den Finanzausschuss hat das Frequency schon passiert,  der Inhalt unterliegt dem Amtsgeheimnis. Wurzer:  "Mehrfach hat uns der Bürgermeister bereits aufgeklärt über die strafrechtlichen Folgen, die ein Geheimnisverrat für Mandatare hat. Und jetzt bricht er selbst das Gesetz!" Das könne nicht ohne Folgen bleiben. Wurzer: "Ich erwarte mir, dass Stadler Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Bruch des Amtsgeheimnisses erstattet."

Gleichwie: St. Pölten rockt wieder. Sieben Bühnen, 100 Acts zwischen VAZ und Ex-Kaserne. Fixstarter unter anderen: Placebo, Beatsteaks, Sportfreunde Stiller, Tocotronic. "We like" sagt Jenner neudeutsch. Er  will das "sehr gut von den Besuchern angenommene Müll- und Umweltkonzept ‘Green Stage‘ weiter verbessern". Immerhin seien 200.000 Leerdosen recycelt worden. Heuer gibt‘s für 15 Leerdosen ein Volles. Auch der Green Camper-Bereich soll wachsen.

Top-Location

Stadler will "bewusstseinsbildende Maßnahmen zur Umweltverschmutzung forcieren". Wichtig sei, "dass die Besucher selbst dafür Initiative zeigen". Er verweist auf  Millionen Euro  Umwegrentabilität  und enormen Werbewert. "Mit dem Frequency ist St. Pölten der Turnaround beim Image gelungen. Hier ist was los. Nirgendwo gibt es eine bessere Location."

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( Kurier ) Erstellt am 25.01.2012