Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Winzerexport nach Ungarn

Junge österreichische Winzer mischen am ungarischen Weinmarkt kräftig mit - Franz Reinhard Weninger sowie Birgit und Katrin Pfneisl.

Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig man in Österreich von den jungen burgenländischen Winzern weiß, die in Ungarn so erfolgreich arbeiten. In den Köpfen gibt es die Grenzen scheinbar immer noch, denn an der Weinqualität oder am Boden kann es nicht liegen. Geologisch und klimatisch gibt es so gut wie keine Unterschiede zu den Weingütern der populären Mittelburgenländer. Die Weine von Franz Reinhard Weninger und seiner jungen Kolleginnen haben bei internationalen (Blind-)Verkostungen wiederholt positiv überrascht. Nur in Österreich gibt es offenbar keinen Markt für ungarische Weine, weshalb sich die Winzer ganz auf den ungarischen Markt fokussieren und keine Aktivitäten mehr in Österreich setzen.

Blaufränkisch heißt Kékfrankos

Die österreichischen Weinfreunde wissen ja nicht, was ihnen entgeht. Köstlich, dieser "Kékfrankos Kühle Eleganz" 2004 von Birgit Pfneisl. Großartig der Kékfrankos Spern Steiner von Weninger junior. Beide Weingüter bewirtschaften biologisch: Weninger bio-dynamisch, Pfneisl organisch. Beide haben einen erfrischenden Zugang zum Thema Wein, sie sind Trendsetter, sie sind leidenschaftlich bei der Sache und sie sind ihren Kollegen beiderseits der Grenzen in vielen Dingen voraus.

Premiere im Haydn-Jahr

In den Ödenburger Weinbergen hat auch das Weingut Esterhazy ausgedehnte Rebanlagen. Passend zum Haydn-Jahr gibt es ab Februar eine spannende Premiere: Am Opernball wird die "Hommage an Joseph Haydn" präsentiert. Eine Cuvée aus Merlot und Cabernet Sauvignon, die im österreichischen Keller vinifiziert wurde und daher nur als "Tafelwein" auf den Markt kommen wird (12 Euro). Österreich-Bezug gibt es auch zum Weingut Etyeki Kúria südlich von Budapest. Die Familie von Stefan Ottrubay, dem Esterhazy- Generaldirektor, bewirtschaftet dort 25 ha Weingärten.

Österreicher am Plattensee

Axel Stiegelmar und Alfred Fischer suchten das besondere vulkanische Terroir beim Plattensee. Fischer und seine Söhne, ursprünglich aus dem burgenländischen Stöttera, betreiben dort Weinbau im großen Stil: Fast 80 Hektar werden dort bewirtschaftet und mit modernster Kellertechnik verarbeitet. Alfred Fischer will aber sehr wohl den österreichischen Markt intensiv bearbeiten, Gespräche mit den großen Supermärkten sind im Gange.

Ausbaufähiges Hobby

Für Axel Stiegelmar und Vater Georg vom Golser Weingut Juris ist es aber "reiner Luxus" und so etwas wie ein Hobby des Seniors - die Anbaufläche beträgt weniger als einen Hektar. Axel Stiegelmar zeigte sich im Gespräch mit KURIER.at aber "nicht abgeneigt, es mehr werden zu lassen". Leider habe aber ungarischer Wein einen schlechten Ruf, und von Weinkennern alleine könne man nicht leben. "Wir sind auf Imagetrinker angewiesen."

Ungarischer Eisenberg

Das Weingut Wachter-Wiesler bewirtschaftet mit einem ungarischen Partner zwei Hektar Weingärten auf der ungarischen Seite des Eisenbergs. Im Gegensatz zu seinen Kollegen ist Tom Wachter mit dem Rebmaterial aus kommunistischer Verlassenschaft sehr zufrieden, es hat eine eigene Rebschule gegeben, die sich ausschließlich dem Eisenberg gewidmet hat.

Nicht jeden dieser Weine bekommt man im Supermarkt um die Ecke. Wer neugierig geworden ist, fragt am besten direkt beim Weingut an. Durch verwandte Weingüter in Österreich ist der Bezug günstig und problemlos.

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