Chronik | Niederösterreich
03.04.2017

"Wiener" Kaffeehaus in der Wachau

Barista an der Maschine, Billard und der sonnigste Schanigarten.

Wer nicht durch eines der hohen Bogenfenster nach draußen auf das Steinertor blickt, könnte meinen, in einem original Alt-Wiener Kaffeehaus zu sitzen. Innen ist es das auch. So klassisch altmodisch gestaltet, dass es selbst in der Bundeshauptstadt nicht mehr allzu viele davon gibt. Nur, dass es sich bei diesem Lokal um das Kremser Stadtcafé Ulrich am Südtirolerplatz handelt.

Benannt ist die seit 1905 bestehende Institution nach einem ehemaligen Betreiber. Seit 2003 ist aber der Waldviertler Siegfried Wagner der Pächter. Er achtet darauf, dass von den klassischen Kaffeehaustraditionen nichts verloren geht. Außer Dinge, die verbesserungswürdig sind: "Der Kaffee zum Beispiel muss bei uns wirklich passen. Nicht wie in manchen Wiener Cafés, wo er viel zu dünn ist. Die Gäste achten sehr darauf. Deshalb haben wir auch keinen Vollautomaten, sondern ein Gerät, das man händisch beeinflussen kann", betont Wagner. Die Maschine habe sogar zwei Mühlen für den jeweils passende Mahlgrad. "Und über den Tag steht ein Barista an der Maschine, der nichts anderes macht", erzählt der Chef.

Kulinarik

Dass neben Kaffee auch andere Getränke und warme Mahlzeiten beinahe rund um die Uhr angeboten werden, ist selbstverständlich: "Wir kochen alles selber, bieten Klassiker wie Würstl oder Gulasch oder Beuschel." Nur die ebenfalls beliebten Mehlspeisen macht das Team nicht selber. Die kommen von einem Traditionskonditor im Nachbarort.

Was ebenfalls zum Café gehört, obwohl es anderswo inzwischen selten geworden ist: Ein Billardzimmer, sogar mit zwei Tischen. Seit 2016 gibt es zudem einen Eisverkauf direkt vom Tresen.

Ein unvergleichlicher Bonuspunkt ist aber der Schanigarten. Der sonnigste der ganzen Innenstadt mit Blick auf das Wahrzeichen Steinertor. "Er ist direkt nach Süden ausgerichtet. Da kommt es immer wieder vor, dass wir selbst im Jänner draußen servieren, wenn der Tag lau ist", sagt Wagner. Darauf würden wetterfeste Stammgäste häufig bestehen. Deren Wünsche kennt das Team ohnehin genau. Besonders die längst gedienten Kellner im Team, Sabine und Franz, die nicht nur Nachschub bringen, sondern auch gute Laune verbreiten. Selbst, wenn sie an Jännertagen mit kurzen Ärmeln den Kaffee auf der Terrasse servieren.

Das Publikum könnte nicht gemischter sein: Viele Schüler und Studenten sind darunter. Aber auch Pensionisten, die sich erinnern, in ihrer Jugend ähnlich viel Zeit in dem Lokal verbracht zu haben, wie das junge Publikum heutzutage. "Wir sind in der Nähe zur Schule gegangen und treffen uns immer wieder hier", erzählen vier junge Damen. Sie schätzen hier die Hintergrundmusik, die wechselnden Bilderausstellungen an den Wänden, aber auch das Essen.

Ins Ulrich kommen aber auch Unternehmer und Arbeiter, Hausfrauen und Künstler. Besonders häufig Rechtsanwälte und deren Klienten, die sich vor einer Verhandlung im benachbarten Landesgericht beraten oder nach anstrengenden Plädoyers in Strafprozessen stärken.