Weitra: Ewiger Streit um Schadenersatz

Im schneereichen Winter 2006 wurde das Haus der Familie Nemeth beschädigt. Die Versicherung will nicht alles zahlen.

Die weißen Holzfenster im Wohnzimmer lassen sich nicht mehr öffnen, weil sie verformt und mit Montageschaum dichtgemacht sind. Darüber haben sich tiefe Risse in der Mauer gebildet, an mehreren Stellen fehlt der Putz und manche Wände sind feucht.

"Wir sind verzweifelt", sagt Manuela Nemeth. Sie und ihr Mann Philipp aus Hirschenwies bei Weitra im Bezirk Gmünd leben seit mehr als fünf Jahren in einem Bauernhaus, dass im schneereichen Winter 2006 schwer beschädigt wurde. Die junge Familie traut sich nicht, die Schäden fertig reparieren zu lassen, weil sie befürchtet, Beweise zu vernichten. Denn seit 2006 kämpft die Familie vor Gericht gegen die Versicherung, weil diese nicht den Gesamtschaden zahlen will. Laufend werden Gutachten beantragt.

"Wenn sich das Verfahren noch länger zieht, wird unser Haus bald nicht mehr bewohnbar sein", sagt Manuela Nemeth. Sie macht sich schon um die Gesundheit ihrer Familie sorgen. "Solange immer wieder neue Gutachten in Auftrag gegeben werden, können wir die Schäden, also die Beweise, nicht beseitigen", erklärt ihr Mann Philipp. Nur das Dach sei repariert, damit zumindest das Haus dicht ist. Die beiden wünschen sich nur noch eines. "Wir wollen endlich irgendeine Einigung", sagt Manuela Nemeth und fiebert dem Gerichtstermin am 14. Juli entgegen.

Streitwert

Gestritten wird um einen Schaden in der Höhe von rund 42.000 Euro, der im Winter 2006 entstanden sei. "Die Schneemenge war damals extrem, sie lag bei uns bis zu zirka 1,5 Metern hoch. Wir haben das Dach regelmäßig abgeschaufelt", schildert Nemeth. Durch die hohe Schneelast, die auf ihr altes, renoviertes Bauernhaus gedrückt hatte, seien aber Schäden entstanden: "Wir hatten zuvor eine Versicherung inklusive Schneedruckschaden abgeschlossen. Aber die Uniqa-Versicherung will jetzt nicht zahlen", ärgert sich die Familie.

Sie kann sich inzwischen auch eine einvernehmliche Lösung vorstellen. "Hauptsache, wir können schon bald die Schäden beseitigen lassen", ergänzt Manuela Nemeth.

Aus Sicht der Uniqa-Versicherung sei der Sachschaden damals durch eindringendes Niederschlagwasser infolge der Frost- und Tau-Periode entstanden. "Schäden aufgrund von Schneedruck wurden nicht festgestellt", sagt Elfriede Wagner, Sprecherin der Versicherung. Daher seien rund 10.700 Euro, also die Höchsthaftungssumme laut Vertrag, überwiesen worden. "Die Angelegenheit wurde unsererseits umgehend erledigt", ergänzt Wagner. Mehr dürfe sie dazu aber nicht sagen, weil das Verfahren noch läuft.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011