Khalid Abu El Hosna (3. v. re.), mit Frau und vier der neun Kinder. Die Familie kämpft um ihr Recht.

© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Niederösterreich
06/01/2019

Weinviertler Gemeinde will keine muslimischen Zuzügler

Ortschef von Weikendorf hat kein Interesse am Zuzug einer palästinensischen Familie. Grund ist deren Religionsbekenntnis.

von Bernhard Ichner

Die palästinensische Familie Abu El Hosna ist seit Jahren auf der Suche nach einer neuen Heimat. Nach jahrelangem Aufenthalt in Wien dachte man zuletzt, diese in der Weinviertler Marktgemeinde Weikendorf (Bezirk Gänserndorf) gefunden zu haben.

Um dort ihren Hauptwohnsitz zu begründen, nahm die Familie also einen Kredit auf – und auch der Kaufvertrag für eine Liegenschaft im Ortsteil Dörfles war schon unterschriftsreif. Doch mit der Übersiedlung wurde es nichts. Denn die Gemeinde habe „kein Interesse“ am Zuzug der Abu El Hosnas, teilte der Bürgermeister mit. Und zwar wegen ihres Religionsbekenntnisses. Muslime würden nicht nach Weikendorf passen.

„Die unterschiedlichen Kulturkreise der islamischen sowie der westlichen Welt“ würden „in ihren Wertvorstellungen, Sitten und Gebräuchen weit auseinander liegen“, betonte Ortschef Johann Zimmermann (ÖVP) in einer Erklärung. Dies ziehe sich bis ins gesellschaftspolitische Leben (siehe Faksimile). Ein Ablehnungsgrund, den Familie Abu El Hosna als „zutiefst diskriminierend“ empfindet. Mit einem Anwalt kämpft sie nun darum, die Liegenschaft doch noch erwerben zu dürfen.

„Bestens integriert“

„Wir hoffen auf eine positive Entscheidung der Grundverkehrskommission“, sagt Vater Khalid Mansor Abu El Hosna (43), der in seiner ehemaligen Heimat Gaza an der Pädagogischen Hochschule Englisch unterrichtete. Aus seiner Sicht habe die Behörde – also das Amt der NÖ Landesregierung – keinen Grund, den Kauf des Grundstücks zu verhindern: „Wir sind 2010 als Flüchtlinge gekommen, haben Asylstatus, zahlen Steuern und haben einen einwandfreien Leumund.“ Zudem seien er, seine Frau und ihre neun Kinder „bestens integriert“, meint Abu El Hosna, der in der Wiener Laxenburger Straße das orientalische Restaurant „Castle“ mitbetrieb.

Für den Anwalt der Familie stellt die Ablehnung des Bürgermeisters „zwar eine gewisse politische Haltung, aber keine beachtenswerte Erklärung im Sinne der Bestimmungen des niederösterreichischen Grundverkehrsgesetzes dar“, wie er in einer Stellungnahme an die Grundverkehrsbehörde schreibt. Die persönliche Meinung des Ortschefs „interessiert nicht“, meint der Jurist.

Kritik übt auch der muslimische Wiener SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi, an den sich die Familie Abu El Hosna auf der Suche nach Unterstützung gewandt hat. Für ihn ist die jetzt beendete türkis-blaue Bundesregierung nicht unschuldig an solchen Entwicklungen. „Im 21. Jahrhundert zu glauben, dass unterschiedliche Kulturen in Europa nicht zusammenleben können, ist jenseitig. Aber anscheinend ist die Islamfeindlichkeit von Türkis-Blau in den kleinsten Winkeln des Landes angekommen. Da sieht man, wie gefährlich so eine Politik ist.“

Behörde prüft

„Die Gemeinde wird nun mit dem Schreiben des Anwalts konfrontiert und muss noch einmal Stellung dazu nehmen“, heißt es bei der Grundverkehrsbehörde. Zudem prüfe man, ob es stichhaltige Gründe gegen die Übersiedlung der Familie nach Weikendorf gebe, bevor eine Entscheidung getroffen werde. Das Religionsbekenntnis der Antragsteller sei aber definitiv kein Faktor.

Bürgermeister Johann Zimmermann war für den KURIER trotz mehrfacher Nachfrage nicht erreichbar.