Was aus den ehemaligen Kinos wurde

Das Kino-Sterben hat auch vor Niederösterreich nicht Halt gemacht. Viele Landkinos mussten der Konkurrenz – dem Fernsehen und den großen Centern weichen.

In Marchegg begannen schon vor 1914 die Bilder zu laufen – im Wanderkino. Dann wurde im Gasthaus Meissner das erste ständige Kino gegründet. 1927 eröffnete Josef Länger das erste "richtige" Kino in der Bahnstraße. 1947 pachtet Karl Troch die Kinokonzession und setzt das im Krieg zerstörte Kino instand. Karl Troch jun. baut schließlich in der Bahnstraße 51 sein eigenes Kino, das er bis 1976 betrieb. Danach erwarb der Fischereiverein Marchegg das Kino und nutzt es heute als Vereinshaus.

Auch Bad Vöslau zählt zu den niederösterreichischen Vorreitern in Sachen Kino. Bereits am 16. Dezember 1920 stellte die Bezirkshauptmannschaft Baden eine " Kinematographen-Liecenz" (sic!) aus. Bis in die 70er-Jahre lockte das Haus in der Ernst-Wutzel-Gasse 7 zahlreiche Besucher an. Und auch in der Magdalenengasse existierte ein Lichtspielhaus. Ganz Kino-frei ist Bad Vöslau trotz der Schließungen heute auch nicht. Das Filmarchiv Austria nutzt das Gebäude in der Wutzel-Gasse als Lagerstätte für alte Filme.

In Baden ist heute das "Beethoven Kino" in der Fußgängerzone der einzige verbliebene Treffpunkt für Filmfreunde. Doch noch Ende der 1980er-Jahre gab es drei "Lichtspieltheater" zur Auswahl. Das Olympia Kino in der Braitner Straße musste erst vor wenigen Jahren in Folge der "Digitalisierung" seine Pforten schließen. Weniger bekannt dürfte hingegen das "Zentral Kino" sein, das in der Innenstadt, in der Breyer Straße 1, beheimatet war und schon 20 Jahre geschlossen ist. Es konnte auf eine sehr lange Tradition zurück blicken. Zur Eröffnung am 18. Oktober 1913 heißt es in historischen Quellen: "...wurde ein im romantischen Stil ausgeführtes reizendes Kino errichtet." Heute ist hier der Turnsaal des nahen Bundesgymnasiums sowie ein Drogeriemarkt zu finden.

Das frühere Programmkino in St. Pölten war zuletzt das "Forum-Kino", ehe 1998 die letzte Filmrolle eingelegt wurde. Seither ist der Betonkasten mit zwei Sälen Bestandteil des Franz Pichler-Volksheimes und Aufführungsort von Amateur-Theatergruppen wie "Perpetuum". Geschichte ebenfalls: Das "Apollo" in der Josefstraße (jetzt ein Geschäft), das Stadtkino (jetzt Trafik, Tiefgarage etc.) und das Mühlweg-Kino, wegen gewalttätiger Vorkommnisse auch "Blutoper" genannt.

Nur mehr Aufzeichnungen und Erzählungen erinnern in Blindenmarkt (Bez. Melk) an das einstige Lichtspieltheater im Gasthaus zur "Neuen Welt" beim Bahnhof. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg eröffnet, erlitt der Saal im Krieg schwere Schäden. In den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts brachte das Wirteehepaar Karl und Anna Nass das Lichtspieltheater zu einem blühenden Betrieb. Mit einem Fassungsvermögen von 165 Sitzplätzen und zwei Abspiel-Apparaten entwickelten sich die Lichtspiele zum beliebten wöchentlichen Treff. In den 70er-Jahren wurde das Kino eingestellt, so wie zwei Jahrzehnte später auch der Wirtshausbetrieb. Das von der Gemeinde gekaufte Haus baute das Rote Kreuz Blindenmarkt zu geräumigen Einsatz- und Servicezentrale aus.

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( Kurier ) Erstellt am 08.01.2012