Chronik | Niederösterreich
02.06.2016

Keine Ferienbetreuung für Kinder von Asylwerbern

Symbolbild © Bild: APA/dpa/David Ebener

Die Plätze müssten "für Kinder der eigenen Bevölkerung reserviert bleiben", sagt FP-Vizebürgermeister Waldhäusel.

Die niederösterreichische Stadtgemeinde Waidhofen an der Thaya bietet seit Jahren in den Sommermonaten eine Ferienbetreuung für Kindergarten- und Volksschulkinder an. Das bedeutet: Besuche bei der Feuerwehr, Wanderungen entlang der Thaya oder Kegeln in der Sporthalle.

Das Angebot ist aber nicht für alle zugänglich. Kindern von Asylwerbern bleibt die Ferienbetreuung nämlich verwehrt.

"Die Plätze im Rahmen eines Sommerprogramms müssen für die Kinder unserer eigenen Bevölkerung reserviert bleiben, deren Eltern noch dazu berufstätig sind", wird FP-Vizebürgermeister Gottfried Waldhäusl von meinbezirk.at zitiert. Gruppen von Asylwerbern würden außerdem "insbesondere bei Frauen und Jugendlichen ein entsprechendes Unwohlsein" hervorrufen, sagt er.

Spielplatz unter Hochspannungsleitung Esslinger Furt Donaustadt © Bild: Ichner Bernhard

Der blaue Vizebürgermeister ist schon mehrfach mit umstrittenen Aussagen aufgefallen. So bezeichnete er die Integration von Asylwerbern als "idiotisch", wenn man wisse, dass sie nur für ein paar Wochen in Österreich bleiben. Er forderte auch, dass Kinder von Asylwerbern nicht in Kindergarten und Schule geschickt werden sollen.

Bürgermeister bestätigt

Robert Altschach, Bürgermeister der Stadtgemeinde, bestätigt gegenüber KURIER.at, dass Flüchtlingskinder nicht in die Ferienbetreuung dürfen. Dies habe aber mehrere Gründe. Zum einen sei das Budget für die Ferienbetreuung bereits ausgeschöpft, und zum anderen seien die Räumlichkeiten nicht groß genug. "Das Budget wurde bereits beschlossen, als die Flüchtlingskinder noch nicht hier waren", sagt Altschach.

Es gebe zudem die Richtlinie des Landes, dass Kinder von berufstätigen Eltern zu bevorzugen sind und man für die professionelle Integrationsarbeit anderes Personal bräuchte, sagt er. Derzeit werden die Kinder aber von angehenden Lehrerinnen und Studentinnen betreut.

Volkshilfe wollte Spendenaktion starten

Für Gerlinde Oberbauer, Leiterin der Volkshilfe Waldviertel, ist die Vorgehensweise der Gemeinde nicht ganz verständlich. "Die Kinder sind ohnehin aus den Schulen befreundet. So würden sie auch in den Ferien Deutsch sprechen. Wenn sie den ganzen Sommer in den Flüchtlingsheimen sitzen, beginnen sie nachher wieder bei Null", sagt sie.

Die Volkshilfe habe bereits eine Spendenaktion gestartet, um die Ferienbetreuung für Kinder von Asylwerbern doch noch zu ermöglichen. "Wir hätten uns auf jeden Fall an den Kosten beteiligt", sagt sie. Viele Eltern würden aber nicht wollen, dass Flüchtlingskinder teilnehmen. Es hätte schon in den Schulen Vorfälle gegeben.


Anmerkung der Redaktion: Laut Richtlinien der niederösterreichischen Ferienbetreuung sind Kinder von erwerbstätigen Eltern und AlleinerzieherInnen bevorzugt aufzunehmen.