Von Zug erfasst: Trauer um Julian

Ein Achtjähriger übersah auf einerEisenbahnkreuzung die Lichtsignale und den Zug. Der Bub hatte keine Chance.

Dienstag um 12.42 Uhr geschah das Unglück auf einer Eisenbahnkreuzung im Bereich des Bahnhofs Spratzern in St. Pölten: Der REX 6712 raste mit 70 km/h heran. Ein Bub übersah den Zug und wurde vom Triebwagen erfasst. Das Kind überlebte den schweren Unfall nicht.
Der achtjährige Julian W. war mit dem Bus vom Sommerhort in St. Georgen nach Hause unterwegs. Er stieg bei der Station in Spratzern aus, ging die B 20 entlang der Gleise von Norden nach Süden, passierte die Wolfenberger Straße auf einem Zebrastreifen - bei Grün - und wollte dann den Bahnübergang queren. Der ist per Lichtsignalanlage gesichert.

"Laut den ersten Erhebungen kann ein technisches Gebrechen ausgeschlossen werden", erklärt ein Polizeibeamter. Auch eine Zeugin sagte aus, dass die Anlage funktioniert habe.
Julian hat die Warnleuchten wohl nicht gesehen und auch den Zug nicht, der von hinten kam. Die Notbremsung half nichts mehr. Der Junge wurde seitlich erfasst und weggeschleudert.

Traurige Nachricht

Rettung, Polizei und Feuerwehr waren rasch am Unglücksort. Der Notarzt versorgte Julian. "Wir mussten das Kind unter Reanimation ins Krankenhaus nach St. Pölten bringen", sagte Philipp Gutlederer von "144 Notruf NÖ" zum KURIER. Doch schon kurze Zeit später folgte die traurige Nachricht aus dem Landesklinikum: "Wir müssen leider mitteilen, dass der Bub seinen schweren Verletzungen erlegen ist." Ein Kriseninterventionsteam wurde angefordert.
Im Umfeld der Familie herrscht tiefe Betroffenheit. "Das ist sehr, sehr bitter, wenn ein Kind stirbt", sagte Pfarrer Engelbert Schoder. Der Bub war erst im Mai bei ihm zur Erstkommunion gewesen. Schoder war bei der Unfallstelle. Die Kreuzung sei
gefährlich, sagt er.

Fassungslosigkeit herrscht auch beim ASV Spratzern, wo der Bub in der U9 gekickt hatte. Der Verein ist ganz in der Nähe von Julians Zuhause. Ein ehemaliger Betreuer des Kindes: "Wir befinden uns in einer Schocksituation, es ist ganz schlimm. Auch seinen Kameraden müssen wir noch die traurige Nachricht überbringen."
"Julian war ein vorsichtiger Bub und ist schon länger mit dem Bus gefahren", erzählt eine Nachbarin. Er sei am Dienstag eine Station länger sitzen geblieben. Warum, weiß niemand.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011