Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

"Von welchem Delikt sprechen wir überhaupt?"

Der Anwalt von Michael K. im KURIER-Interview.

Nachdem Michael K. in den ersten Einvernahmen auf einen Rechtsbeistand verzichtet hatte, lässt sich der im Fall Kührer Verdächtige nun von dem Strafverteidiger Farid Rifaat vertreten. Im KURIER-Interview spricht Rifaat über den aktuellen Stand der Ermittlungen.

KURIER: Die Staatsanwaltschaft Korneuburg brachte am Freitag Beschwerde gegen die Enthaftung von Michael K. ein. Für wie wahrscheinlich halten Sie die Verhängung der U-Haft?
Farid Rifaat: Ich bin nicht das Oberlandesgericht Wien und kann nicht über die Haft entscheiden. Aus juristischer Sicht halte ich eine Inhaftierung nicht für möglich, da man noch nicht weiß, von welchem Delikt man überhaupt spricht. Die Todesursache von Julia Kührer ist nach wie vor nicht geklärt. Ich vermute, dass Rauschgift im Spiel war. Ob der Tod selbst verschuldet oder ein krimineller Akt war, wird sich weisen. Wie gesagt, ist das nur eine Vermutung. Mein Mandant hat damit jedenfalls nichts zu tun.

Welche Beweise oder Indizien liegen denn gegen Michael K. vor? In Medien wurde über zwei Fahrzeuge und die auf seinem Grundstück begrabenen Hunde spekuliert.
Zu den Fahrzeugen weiß ich nichts Genaueres. Ich hoffe jedenfalls auf eine Sicherung von Spuren in den Fahrzeugen - das wird die Unschuld meines Mandanten nur stützen. Bei den gefundenen Hunden handelt es sich um die Tiere von Michael K. Zur Todesursache der Tiere verfüge ich über keine näheren Informationen.

Michael K. hat nach seiner Einvernahme zahlreiche Interviews gegeben. Für wie günstig halten Sie diese Vorgangsweise?
Mein Mandant hat nur die Wahrheit gesagt, insofern hat er sich nicht geschadet. Wir werden uns auch weiterhin den Fragen der Medien stellen, allerdings wird Michael K. weitere Interviews nur in meinem Beisein führen.

Wie reagiert man als Rechtsanwalt auf das enorme Medieninteresse an Ihrem Mandanten?
Ich sehe die Rolle der Medien in diesem Fall sehr kritisch: Die Journalisten jagen Michael K. seit seiner Enthaftung vor zwei Wochen. Außerdem versuchen sich alle Medien in kriminalistischer Arbeit und glauben, sie können mehr Beweise finden als die Polizei. Ich glaube nicht, dass Medien die Arbeit der Ermittler übernehmen können oder sollen.

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