Chronik | Niederösterreich
06.08.2017

Karriere als Ballett-Modell

Mit 21 Jahren zog die Ballerina Viktoria Hofstädter von Gumpoldskirchen in die USA. Heute ist sie ein international gefragtes Ballett-Modell.

Mit zwei Koffern kam Viktoria Hofstädter 2010 am New Yorker Times Square an. Ohne Geld, ohne Wohnung, ohne Freunde. Doch die damals 21-Jährige aus der nö. Kleinstadt Gumpoldskirchen hatte – wie so viele vor ihr – einen Traum: Es als Ballerina in den USA zu schaffen. Im Juli hat die heute 28-Jährige nun ihre Green Card bekommen. Hofstädter ist mittlerweile als Ballet-Modell international erfolgreich. Doch der Weg dorthin war hart – und endete im Krankenhaus.

"Seit ich den Film ‚Save the last Dance’ gesehen habe, wollte ich nach New York", erzählt sie. Behütet aufgewachsen mit fünf Geschwistern, wusste sie mit drei Jahren, dass sie Ballett tanzen wollte. "Meine Eltern waren immer das Gegenteil der sogenannten Ballet-Mums. Sie haben es erlaubt, aber nie gepusht."

Nach der Matura am Europaballettkonservatorium St. Pölten tanzte sie in der Landeshauptstadt. "Irgendwann habe ich mir gedacht: Wenn ich es jetzt nicht versuche, werde ich es bereuen." Und Arnold Schwarzenegger, so überlegte sie, habe es schließlich auch geschafft. Sie bewarb sich an New Yorker Ballettschulen – und erhielt eine Zusage samt Teilstipendium.

"Ich hatte immer nur einen Plan A und keinen Plan B." Viktoria Hofstädter bezeichnet sich selbst als einen Alles-oder-nichts-Menschen. Am Anfang wohnte sie in einem Hostel, dann mietete sie ein kleines Zimmer. "So habe ich mir Schritt für Schritt etwas aufgebaut." Schon bald schien ihr Traum zu scheitern. Denn ein notwendiges Arbeitsvisum ist in den USA schwierig zu bekommen. "Die ersten Jahre waren echt hart", erinnert sie sich. "Es war so: Heute habe ich einen Dollar übrig, wie kaufe ich mir etwas zu essen? Oder es war kein Geld für die U-Bahn übrig, dann bin ich 30 Blocks zur Schule gelaufen."

Schließlich kam ihr der Zufall zu Hilfe. "Ich habe immer viel gedehnt und war flexibler als andere Tänzer. Das haben Talentscouts gesehen." Es folgte ihr erster Modeljob für Ballettkleidung. "Das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht."

Hofstädter begann sich zu bewerben, stand Modell für Skizzen. Ihr Durchbruch kam mit der Werbekampagne für das über 400 Meter hohe Luxus-Apartmenthaus 432 Park Avenue. Eigentlich als "lebende Statue" gecastet, wollte sie der Auftraggeber als Hauptdarstellerin für eine zehnseitige Bildstrecke. Damit erhielt sie noch rechtzeitig ihr Arbeitsvisum. Auch die Aufträge trudelten ein.

Doch New York meint es nicht immer gut mit jungen alleinstehenden Frauen. Ein Anwalt, der ihr bei ihren Papieren helfen sollte, habe sie schamlos ausgenützt, auch ihre Beziehung ging in die Brüche. Die Ballerina stürzte sich in die Arbeit, zog nach Las Vegas und reiste für Fotoshootings und Model-Aufträge von Stadt zu Stadt. Sie wurde in Los Angeles, Boston und Florida fotografiert. "Irgendwann sind dann die Motels besser geworden." Langsam machte sich die 28-Jährige einen Namen. Sie posierte für eine Zeichnerin von Disney oder den Bildhauer Richard MacDonald. Bilder von ihr wurden in Galerien in San Francisco, New York, Florenz, Linz und Wien gezeigt. "Immer öfter wurde ich eingeflogen." Seit einem Jahr kann sie sich ihre Jobs aussuchen.

Umgekrempelt

Doch die harte Arbeit, die Trennung von ihrer Familie und die Erlebnisse in New York forderten ihren Tribut. Eine Essstörung, unter der sie seit ihrem 12. Lebensjahr litt, verschlimmerte sich. Sie nahm ab, verlor Aufträge und landete schließlich mit 33 Kilo im Spital. "Da hat es echt Klick gemacht. So nah war ich noch nie am Tod dran." Mittlerweile hat Viktoria Hofstädter ihr Leben umgekrempelt, isst regelmäßig, treibt Sport. Das Wichtigste sei, über die Krankheit zu sprechen. "Man darf sich nicht schämen. Man ist so dünn und hat Angst, dick zu sein. Durchs Reden wird einem bewusst, wie irrational das ist", rät sie Betroffenen.

Seit Kurzem ist Hofstädter in Österreich als Künstlerin angemeldet. Sie will verstärkt in Europa arbeiten. "In Amerika geht es immer nur ums Geld." Das sei hier anders. Auch ihre Familie hat sie in all den Jahren vermisst. Ihr Ziel neben der Karriere: Gesund zu werden.

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