Verkehrsoffen­sive: Blau-gelbe U-Bahn "macht Sinn"

Höchste Eisenbahn: Nur 32 Prozent der Pendler in Niederösterreich nehmen für ihre tägliche Fahrt zur Arbeit die öffentlichen Verkehrsmittel.
Foto: KURIER/Bissuti

Das Land NÖ investiert Millionen, um mehr Pendler in die Öffis zu bringen. Langfristig wünscht man eine U-Bahn.


Für das Jahr 2030 wird im Großraum Wien eine Bevölkerungszunahme um 400.000 Menschen prognostiziert. 120.000 davon in den angrenzenden, niederösterreichischen Bezirken. Dann macht eine U-Bahn nach Klosterneuburg oder Schwechat frequenztechnisch auch Sinn", bekundet Verkehrslandesrat Karl Wilfing großes Interesse daran, die U-Bahn (langfristig) über die Wiener Landesgrenze zu holen. Aber auch kurzfristig will man mehr Menschen für die öffentlichen Verkehrsmittel begeistern.

Denn eine jüngste Erhebung zeigt, dass 68 Prozent der Pendler mit dem Auto unterwegs sind. Ein Wert, der zwar nicht freut, aber auch nicht so schlecht sei, denn "die letzte Erhebung 1995 brachte fast identische Zahlen und seitdem gibt es 35 Prozent mehr Autos. Wir haben den Anteil immerhin halten können", sagt Verkehrsplaner Friedrich Zibuschka. Mit dem "größten Pendlerpaket seit Jahrzehnten", so Wilfing will man den Öffi-Anteil nun steigern.

Taktgefühl

Mit dem Fahrplanwechsel 2012 werden Taktverdichtungen umgesetzt. Von Gänserndorf - aus dem Raum pendeln 15.000 Menschen nach Wien - wird dann ein Viertelstundentakt gelten. Wie auch für die S-Bahn auf der Westbahn: "Pendler aus St. Pölten sparen damit täglich bis zu 22 Minuten, solche aus Amstetten sind bis zu 45 Minuten schneller unterwegs", sagt Wilfing. Nur der Süden muss noch warten: "Mit 400 Zügen täglich ist die Südbahn ausgelastet. Mehr geht erst mit Ausbau der Pottendorfer Linie ab 2020", sagt Zibuschka.
Investiert wird auch in Park&Ride- Anlagen: In Wolkersdorf kommen 350 Stellplätze dazu, in Deutsch-Wagram 200 und beim neuen Bahnhof Tullnerfeld sogar 500. Insgesamt erhöht das Land die Aufwendung für die Öffis von 88,5 auf 93 Millionen Euro jährlich.

Die "Vision U-Bahn" ist am Freitag Thema eines Gesprächs mit Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou: "In der Nähe von Wien müssen die Verkehrsmittel U-Bahn-ähnlich funktionieren." Voraussetzung sei aber so und so, dass "der Bund zwei Drittel der enormen Kosten übernimmt".

Analyse: 184.000 pendeln nach Wien

Erhebung Laut der jüngsten Kordonerhebung überqueren täglich durchschnittlich 528.000 Personen die Wiener Stadtgrenze. 184.000 davon sind Pendler, die zu 68 Prozent mit dem Auto unterwegs sind. Die Regionen unterscheiden sich erheblich. Die 63.000 Pendler aus dem Raum Mödling nutzen etwa nur zu 27 Prozent die Öffis. 55 Prozent der 12.000 Klosterneuburger Pendler hingegen fahren mit Bus und Bahn. Aus dem Raum Gänserndorf fahren 59 Prozent mit dem eigenen Auto nach Wien, aus St. Pölten 68 Prozent der 19.000 Pendler und bei den 25.500 Personen aus Bruck/Leitha sind es 69 Prozent.

(kurier) Erstellt am
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