Chronik | Niederösterreich
10.12.2011

Vater riss seinen Sohn mit in den Tod

Vermutlich wegen einer anstehenden Scheidung tötete ein Weinviertler sich und seinen nicht einmal zwei Jahre alten Sohn.

Mir fehlen einfach die Worte. Alles, was ich dazu sagen kann, ist, dass die Gemeinde alles Menschenmögliche tun wird, um den Hinterbliebenen zu helfen.“ Wolfgang Weigert, der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Ringelsdorf im nordöstlichen Weinviertel, ist sichtlich geschockt. Ein fürchterliches Familiendrama hat seinen Ort am Marienfeiertag erschüttert.

Kurz nach 18 Uhr heulte am Donnerstag die Sirene der Feuerwehr. Die Helfer wurden zu einem Übergang der Nordbahn gerufen, wo sich ihnen ein furchtbares Bild bot. Ein 34-jähriger Mann hatte sich mit seinem erst 22 Monate alten Sohn auf dem Arm auf die Schienen gestellt und sich von einem Zug überrollen lassen.

Der Lokführer des aus Břeclav Richtung Wien fahrenden Güterzuges gab später an, dass er den Mann mit dem Kind noch gesehen und eine Notbremsung eingeleitet habe. Der viele Tonnen schwere und Hunderte Meter lange Zug kam nach rund 500 Metern zum Stehen – für Vater und Sohn längst zu spät. Auch ein sofort alarmiertes Notarztteam konnte nicht mehr helfen.

Beim Anprall wurde der kleine Bub meterweit über die Schienen geschleudert. Bis zuletzt dürfte sich das Kind an sein Lieblingsstofftier geklammert haben. Am Freitag lag es noch immer neben dem Gleis.

Der Vater – er stand mit dem Kind in den Armen mit dem Rücken zur Lok – wurde von dem Güterzug mit geschleift. Mitglieder der Feuerwehr halfen bei der Bergung der Leichen.

 

Kriseninterventionsteam

Das Motiv der unfassbaren Tat dürfte eine im Raum stehende Trennung des 34-Jährigen von seiner Ehefrau gewesen sein. Der Mann dürfte die unmittelbar bevorstehende Scheidung nicht verkraftet haben.

Ein Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes verständigte die Angehörigen. Auch der junge Lokführer – er stammt ebenfalls aus dem Bezirk Gänserndorf – wird psychologisch betreut.