Chronik | Niederösterreich
20.11.2017

"Ugly Krems": Tour zu schmerzhaften Bausünden

Spezialistin für Architektur und Kunst zeigt auf, wo gedankenlos wunderbare Ensembles zerstört wurden.

"Mir reicht es", sagt sich Ulrike Hohenwarter. Seit vielen Jahren bringt sie als Fremdenführerin Touristen an die schönsten Plätze der Wachau. Doch seit einigen Jahren muss sie sich immer öfter ärgern, weil idyllische Ensembles zerstört werden – was auch Touristen beklagen. Um darauf aufmerksam zu machen, will sie nun eine "Ugly Tour" zu verschandelten Plätzen anbieten. Vorerst durch ihre Heimatstadt Krems.

"1975 ist Krems zur Modellstadt für Denkmalpflege ernannt worden. Es machte mich stolz, in einer Stadt zu leben, die trotzdem kein Museum ist, wie Rothenburg ob der Tauber", sagt Hohenwarter, die angehende Fremdenführer in Kunstgeschichte prüft. Doch immer öfter vermisst sie beim Bauen neuer Objekte die Rücksicht auf bestehende Ensembles. Jüngstes Beispiel: Die Kremstal-Kapelle. Das Kirchlein wurde nach dem Hochwasser von 1855 gebaut. "Jetzt entsteht eine große Wohnhausanlage, die die Kapelle in wenigen Metern Abstand einschließt", sagt sie. Dabei seien in der Gegend Einfamilienhäuser die typische Bauweise, argumentiert Hohenwarter, die auch Historikerin ist und Architektur studiert.

Supermarkt statt Villa

Die Tour soll noch weitere Stationen beinhalten: Etwa die beiden mächtigen Wohntürme, die das steinerne Clubhaus eines ehemaligen Tennisvereins mit ihrer Wucht erdrücken.

Dass in der Wiener- und Wachaustraße innerhalb kürzester Zeit zwei Jahrhundertwende-Villen abgerissen wurden, weil sie Supermärkten weichen mussten, geht ihr besonders gegen den Strich. "Da müsste es einen Bebauungsplan geben, mit dem die Stadt sich selbst die Möglichkeit gibt, einzugreifen", fordert Ulrike Hohenwarter.

Den Blick von der Langenloiser Straße auf den Pulverturm, vorbei an Jahrhundertwendehäusern, trübt bereits seit langem ein Wohnblock, der ebenfalls keine Rücksicht auf die Kleinstrukturierung älterer Gebäude nimmt.

Am anderen Ende der Stadt steht die 1280 erbaute St. Matthias Kirche im Ortsteil Förthof. In unmittelbarer Nähe ragt seit einem Jahr ein mächtiger Neubau der Danube Private University (DPU) auf. "Die haben sich ja bemüht und die Fassade mit einer falschen Steinmauer verkleidet. Da fällt zwar jedem Trockensteinmaurer auf, dass die Steine falsch gelegt sind. Trotzdem hilft das etwas, um das Haus an die Gegend anzupassen. Aber das Gebäude ist viel zu groß für diesen Platz, erdrückt die Umgebung. Ich wundere mich, dass das im Weltkulturerbe möglich war", kritisiert Hohenwarter.

Wuchtiges Museum

Mit gerunzelter Stirn blickt sie auch auf das in Bau befindliche Landesmuseum in Stein. "Das wird wohl auch auf meine Liste kommen, weil es mit seiner übermächtigen Kubatur nicht hier her passt. Die Galerie verdeckt außerdem den Blick auf das historische Gebäude der ehemaligen Tabakregie, heute Kunsthalle, und die denkmalgeschützte Gefängniskapelle."

Dass sich das Gebäude im öffentlichen Auftrag nicht der Umgebung unterordnen durfte, weil es "Landmark" sein musste, missfällt ihr. Wer eine solche geführte Tour buchen will, meldet sich unter ulrike.hohenwarter@gmx.at.